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Piz Palü Ostpfeiler

Der östliche Nordpfeiler ist für mich der eleganteste der 3 imposanten Grate, welche die Nordseite des mächtigen Piz Palü gestalten. Dazwischen viel Eis und Schnee, rießige Eisblöcke, klaffende Spalten und das Dunkel der Felspfeiler. Nicht nur für das Bergsteigerauge ein fantastischer Anblick!

 

In einer Nacht und Nebel Aktion entschieden wir uns spät abends, am folgenden Tag den bereits lang gepflegten Wunsch des Ostpfeilers anzugehen. Um 5 saßen wir bereits im Auto, noch im Düsteren kurven wir rasant die Landstraße Richtung St. Moritz entlang. Um 8:30 Uhr geht die erste Bahn auf die Diavolezza hinauf, diese müssen wir unbedingt erwischen. Da in den frühen Morgenstunden kein Verkehr herrscht, erreichen wir schließlich den Ausgangspunkt mit 1 Stunde Zeitüberschuss. Gemütliches Frühstücken war angesagt.

 

33SFR kostet die Luftseilbahn Hin- und Retour, einfache Fahrt 24SFR, die letzte Gondel verlässt die Diavolezza um 17:30Uhr. Nach schnellem Überschlagen im Kopf, entschieden wir uns für eine einfache Fahrt, denn die letzte Gondel glaubten wir nicht mehr zu erwischen. Oben dann ein wahnsinns Anblick: Palü, Bernina, Morteratsch bei strahlendem Blau. Das letzte Mal, als ich in der Gegend war, sah ich nicht viel davon, Nebel am Bianco verhinderte sämtlichen Fernblick.

 

Mit uns noch 3 Bergsteiger, welche den Palü über den Normalweg im Visier hatten. Der Zustieg zum Gletscher erfolgt über den anfangs markierten Weg auf der Hinterseite des Piz Trovat ohne viel Höhengewinn/Verlust, später über Blockwerk und viel Schutt zum aperen Gletscher hinab (1/2h). Dieser kann noch für viele weitere Meter ohne Steigeisen bequem gequert werden, bis schließlich der Anseilplatz in Reichweite erscheint.

 

Der Cambrena-Eisbruch markiert den weiteren Anstieg. Gekonnt windet sich die breit ausgetretene Aufstiegsspur des Normalanstieges durch das enorme Spaltenlabyrinth. Dabei gibts einige fragile Spaltenbrücken zu überschreiten, manche Spalten können auch nur noch übersprungen werden. An einer Stelle, schon recht weit oben, müssen sicherlich 2m überwunden werden, das tiefe klaffende Schwarz machts nicht gerade leichter. Ein leichtes Herzflattern überkommt mich, als ich zum Sprung ansetze...

 

Nach dem Eisbruch besteht die Möglichkeit direkt nach rechts hinauszuqueren zum Pfeilereinstieg, allerdings zieren hier viele Querspalten den Weg, welche längs entlang gewandert nicht die beste Option für den Zustieg darstellen. Eingeschüchtert vom rießigen Eisbruch entscheiden wir uns den Normalweg noch über die nächste Stufe zu folgen und danach nach rechts leicht absteigend zum Einstieg zu folgen. Sicher die bessere Option!

 

Der Bergscgrund ist momentan noch leicht passierbar, die schuttbedeckten Einstiegsblöcke, welche auf den Grat leiten, scheusslich zu klettern. 3 Bohrhaken und 1 Standplatz erleichtern ungemein den Einstieg, wären aber sicherlich nicht nötig, da der Fels viele Sicherungsmöglichkeiten für mobile Sicherungen zulässt. Wir nehmen die Steigeisen von den Schuhen, verstauen Pickel und Stöcke, die Kletterausrüstung kommt an den Gurt: 6 alpine Express, 3 mittlere Friends und ein Keilset, dazu viele Schlingen.

 

Der Fels ist so griffig, so fest am Grat, wir rennen förmlich hinauf, bis das pochende Herz uns erinnert, einen Gang hinunter zu fahren. Unaklimatisiert schnaufen wir was die Lunge maximal hergibt. Camalots (vorallem die Größen 0.5-1) finden spielend leicht immer wieder einen perfekten Platz, dazu zahlreiche Köpfl. Wir klettern am laufenden Seil, nur die Materialübergabe an den zahlreichen ebenen Podestln lässt ein Verschnaufen zu.

 

Wir erreichen schließlich die Schlüsselpassage, ein steilerer, teils plattiger Aufschwung. 3 Schlaghaken, einer davon mit Schlinge, weisen den Weg und bieten ein gutes Gefühl, denn mit mobilen Sicherungsgeräten wäre hier gar nicht so viel zu machen. Eine super Schuppe leitet nach oben zu der Platte, welche mittels gleichgewichtsforderndem Mantler überwunden wird, danach ein kraftiger Aufsteher ums Eck und dann wiederum eine interessante Stelle mit einem Fingerriss. Mit dem bockigen Schuhwerk gar nicht so einfach, hab mal was von einem 5er gelesen, den kann ich vollends bestätigen...

 

Danach gehts gemütlich weiter, Gehgelände wechselt mit netten Kletterstellen, teilweise, besonders wenn man vom direkten Grat abkommt, wirds auch mal etwas brüchiger. Schließlich erreichen wir nach 2,5h den Firngrat, raus mit den Eisen und Pickel, nochmals Konzentration. Schritt für Schritt fährt das Metall in den harten Schnee, die Pumpe läuft auf Hochtouren, noch das letzte Steilstück und wir stehen um 14 Uhr auf dem Palü, als letzte Seilschaft des Tages. Viele Seilschaften sind uns ja schon am Morgen auf ihrem Abstiegsweg begegnet. Irgendwie komisch vom Gefühl her, aber bei diesen Verhältnissen ist auch ein später Auf- bzw. Abstieg zu tolerieren.

 

Der Abstieg folgt über den Normalweg, zunächst auf der Firnschneide, dann einem steileren Hang im Zick-Zack entlang auf den Sattel, nun heißts wieder anseilen und hoffen, dass die Spaltenbrücken auch noch die letzte Seilschaft des heutigen Tages tragen. Und wir haben Glück, einige Spaltensprünge kamen mir beim Abstieg zwar noch weiter vor, doch immer noch gut möglich mit einem beherzten Absprung. Um 16:30 Uhr ist die Bahn endlich in Sicht, meine Füße schmerzen. Hatten wir nicht nur 1 Fahrt gelöst? Schei...benkleister. Doch die Schweizer sind ja ein freundliches Volk, für den 9SFR Differenzaufpreis lassen sie uns mit der Gondel ins Tal gleiten. Wie fein, endlich mal niedersitzen.

 

 

Fazit: Eine meiner schönsten Hochtouren, war ganz entzückt vom herrlichen Felsgrat und dem imposanten Spaltengewirr Zu- und Abstieg. Wirklich sehr zu empfehlen und eben auch bei guten Verhältnissen als Geuss-Tagestour von Innsbruck aus zu bewältigen. Eigentlich verrückt!

 

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Patricia Neuhauser

 

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