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Breithorn W-Gipfel Triftjigrat

Ein Déjà-vu Erlebnis

 

Ein Bilderbuchtag am Samstag beim Hüttenzustieg, welcher bequem mit den Zermatter Seilbahnen und einem 20-minütigem Marsch bewältigt wird. Die Breithorn Nordseite immer im Visier, rechterhand das markante Matterhorn, in der Ferne hinten links die weisse Monterosa-Gruppe. Beim Abendessen studieren wir den Anstiegsweg, welches wir auf der Sonnenterrasse serviert bekommen, was ein Logenplatz!

 

Die Wetterprognosen versprechen einen ebensolchen Traumtag für Sonntag. Wir machen noch Bekanntschaft mit 2 weiteren Seilschaften, die ebenfalls den Triftjigrat angehen wollen. 3 Uhr Frühstück wird ausgemacht. Die Bedingungen? Nunja, die einzige gestrige Seilschaft wurde ausgeflogen, Triebschnee hatte ihnen den Aufstieg vermiest. Ein kleines Schneebrett riss sie mit, Beinbruch, Heli. Tolle Prognosen...

 

Als wir um 4:15 Uhr starten trifft uns der Schlag, wolkenverhangen präsentieren sich die umliegenden Berge im diffusen Morgengrauenlicht und die Temperatur ist alles andere als kalt. Beim Abstieg auf den Gletscher hinter der Hütte kommen uns bereits zwei entgegen, sie verzichten auf die Tour, zu warm. Der Schnee auf dem Gletscher allerdings trägt, doch auch wir merken schnell, die Abstrahlung über Nacht hat nicht ausgereicht. Trotzdem wollen wir es versuchen, umdrehen können wir bis zum Triftjisattel noch immer.

 

Die andere Seilschaft, ebenfalls ein Pärchen, spurt bereits nicht allzu weit von uns entfernt hinüber, unter den bedrohlichen Seracs, Richtung Triftjisattel. Wir beeilen uns um die Verweildauer in dieser Eisschlagzone möglichst zu verkürzen, der Puls schnellt, so unakklimatisiert, gehörig in die Höhe. Natürlich kann man auch unter dem Eisbruch hindurch und somit weiter entfernt von den Seracs, mit einem langen Anstieg in der Flanke zum Triftjisattel kommen. Doch bei dem weichen Schnee keine Option. Die Flanke zum Triftjisattel stellt uns schliesslich auf die Probe. Wir brechen teilweise bis zur Hüfte ein, schei....se. Das Pärchen hat den Anstieg über die Begrenzungsfelsen gewählt, konditionell zwar weniger fordernd, dafür aber auch nicht schneller. 

 

Die Kräfte schwinden schon allmählich, dabei liegt gerade mal die Hälfte hinter uns. Die ständige Gefahr von Eisschlag macht die Sache nicht entspannter, ebenso wenig das leichte Graupeln und die immer tieferhängenden Wolken. Umdrehen? Der "point of no return" ist schneller erreicht als man denkt, die steilen Nassschneeflanken wieder absteigen? Die Seraczone ein zweites Mal passieren? No way, Flucht nach vorne. Aber genau diese Situation verleiht der Tour einen ernsthaften Charakter, wir sind angespannt.

 

Auf dem Triftjiplateau können wir den Weiteranstieg erahnen, dicke Wolkenschwaten verdecken den oberen Teil mit dem Gipfel. Dafür heben sich die Wolken wieder etwas, die Sonne blitzt hindurch. Und wieder die mächtigen Seracs vor der Nase, rein von der objektiven Gefahr her möchte ich die Tour bereits an diesem Punkt kein zweites Mal wiederholen.

 

Den Bergschrund passieren wir recht easy links, nicht rechts, wie es im Führer beschrieben ist und queren ansteigend in das breite Couloir. Die Verhältnisse sind auch hier alles andere als ideal, morsches Eis mit dünner Schneeauflage, wir müssen sichern, teilweise am laufenden Seil, dann wieder mit Standplätzen. Das kostet Zeit, die Wadln brennen, die Lungen prusten. Nach oben hin wird das Couloir felsdurchsetzt, eine dünne Eisauflage macht das Klettern spannend, doch die Felsen müssen eigentlich nie zum Klettern verwendet werden. Eine reine Eistour. 

 

Wir steigen rechterhand am oberen Ende aus dem Couloir aus, ein heftiger Wind begrüsst uns, dafür ist der Weiterweg zum Gipfel klar ersichtlich. Etwas Triebschnee, gemischt mit griessigem Schneegestapfe und wir erreichen erschöpft den unspektakulären Gipfel des Breithorns, zurück in der Zivilisation. 4000er-Aspiranten in Jeans und Goody-Rucksack erfreuen sich an ihrem ersten hohen Berg, wir erfreuen uns an der Autobahn, die uns easy hinunterführt zur Klein Matterhorn Bergstation.

 

Und hier schliesst sich der Kreis. Hatten wir so ein Erlebnis nicht schon einmal am Glockner mit der Mayerlrampe? Wo wir bei schönstem Wetter auf die Biwakschachtel sind und im Schneesturm zum Glocknergipfel trotz bester Wetterprognosen. Damals hatte sich eine einzige Schlechtwetterzelle am Glocknergipfel hartnäckig positioniert. Und ab der Adlersruh war wieder friedlich Sonnenschein und vom Gipfel hinunter natürlcih die Autobahn...

 

 

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Patricia Neuhauser

 

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