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Dauphiné und Dolomiten

Besuch zweier Kletterparadiese der besonderen Art

Das Erlebte aus fast 3 Wochen Kletterurlaub in Worte zu fassen, dazu bedarf es gerade tiefer Wühl-, Sortier- und Rekonstruierarbeit meiner Gehirnwindungen. Man gewinnt so viele Eindrücke: aus der Schönheit der unterschiedlichen Landschaften, aus dem Farbspiel der tieferstehenden Spätsommersonne, welche die Natur am Nachmittag mit langen Schatten und rötlichen Tönen umspannt. Eindrücke aus der Fernsicht in den Bergen, die nach Durchzug einer Kaltfront mit stabilem Hoch im Gepäck weiter als sonst ist und animiert die Gedanken schweifen zu lassen. Erlebnisse bilden sich aber auch durch die tiefen Erfahrungen mit der Exponiertheit beim Mehrseillängenklettern, beim Klettern an der Sturzgrenze, beim Überwinden der eigenen Ängste und Zweifel, beim Höhersteigen trotz saugender Tiefe im Rücken. Und natürlich zu guter Letzt durch das Miteinander, das gemeinsame Er- und Durchleben der Situationen.

 

Jeder Kletterurlaub ist anders, obwohl gewisse Elemente immer diegleichen sind. In den Dolomiten beherbergt uns wiedermal der Jägerhof in Kolfuschg und gibt uns die nötige Erholung und den Ausgleich zu den täglich wechselnden Erlebnissen beim Klettern. Ein Ruhepol, auf den Verlass ist, eine Konstante zum Abrunden des Erlebten, ein Ort der Behaglichkeit und Kraftschöpfung, an den man jeden Tag gerne zurückkehrt.

 

"Alltag" kehrt mit der Zeit ein, aber ein Alltag, der dich am Abend zufrieden und müde ins Bett schickt. Ohne Sorgen, ohne die Belange des Lebens da draussen hinter der Fassade des Kletterurlaubes. Totales Abschalten, eintauchen in die Gegenwart, aufgehen im Hier und Jetzt. Topos und Führer studieren, die Gedanken schwelgen im gerade Erlebten, Vorfreude auf das, was noch kommen wird, stellt sich ein. Mit dieser Freude und mit den müden Gliedern des Tages schläft man auf der Stelle ein und wacht erst am folgenden Tag zur gleichen Uhrzeit, fast auf die Minute, ohne Wecker auf. Motiviert, ausgeschlafen, erwartungsvoll ob der Dinge und Taten, die folgen werden. Ein einfaches Leben, aber ein glückliches, friedvolles und erfüllendes (er)Leben.

 

Mit gewissen Bergen, Routen oder auch Namen von Erstbegehern verbinde ich besondere Erlebnisse und Sehnsüchte, die mit der Wiederholung des daran Denkens und darüber Erzählen und Diskutieren verstärkt werden. Und so steht sie auf einmal da, die Meije, formschön und elegant. Eigentlich ein Klotz aus Fels und Eis, doch durch Taten und Erlebnisse von Menschen bekommt der Berg etwas lebendiges. Ich kann nicht oft genug hinschauen, scanne jeden Meter Berg, versuche kletterbare Linien ausfindig zu machen. Von Norden wie von Süden, eine markante Form, ein anziehender Berg.

 

Ähnlich beim Anblick der Nordwände der drei Zinnen. Sie werfen riessige Schatten auf die Steinwüste unterhalb, die wir gerade durchqueren. Gefesselt bleiben wir alle paar Meter stehen, schauen hinauf, sind überwältigt von der Steilheit und Dimension des gelben Gemäuers. Lediglich der schneidende Wind und die frostigen Temperaturen holen uns aus unseren Träumen aus Fels in die Realität zurück. Die Hasse-Brandler steht einmal mehr ganz oben auf der Wunschliste für nächsten Sommer.

 

Besonders im September, wenn in den Dolomiten langsam Ruhe einkehrt, die schatten Länger, die Luft klarer und die Farben prachtvoller werden, finden Erholungssuchende mit den Dolomiten ihr Paradies. In angenehm warmen Südwänden genussvolle Meter in abgekletterten Klassikern machen ohne Anstehen, wie z.B. am Ciavazes, einfach ein Traum. Selbst die Delagokante an den Vajolettürmen hatten wir zu Mittag für uns alleine. Eine Abschlusstour, wie sie im Bilderbuch stehen könnte. Stahlblauer Himmel, eine Sicht bis über den ganzen Alpenraum, toller Tiefblick und sonnengewärmter Fels hoch über der Steinwüste des Rosengartens. Wir saugen den Moment tief ein, vielleicht der letzte dieser Art für die Saison?

 

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Heisst auch anders ausgedrückt, wer nur in der Komfortzone pendelt lebt nicht wirklich. Die gelbe Mauer der kleinen Zinne beeindruckt Kletterer seit je her. Wenn wir uns zurück an die Begehung der "Perlen vor die Säue" vor 2 Jahren erinnern, dann stellt sich ein Gefühl ein, dass nach Grosstaten ruft. Die neue Kreation rechts davon, die "Prima Ballerina", sollte es sein. Doch bereits in der ersten Seillänge realisiere ich, dass die Performance für solch eine Tour momentan unzulänglich ist, Harry ergeht es in der zweiten Seillänge ebenso. Wir entscheiden uns abzuseilen und nebenan die "Perlen" nochmals zu probieren. Das gleiche Spiel. Nach der zweiten Länge seilen wir ab. Konfrontation mit der schlechteren eigenen Leistung, physisch wie psychisch. Doch Einsicht will gelernt werden und Niederlagen feuern im Endeffekt umso mehr die Motivation an. Auf den Lorbeeren ausruhen gibts eben nicht und auf 10 Hochzeiten gleichzeitig tanzen hat seinen Preis. Ein gelungener Tag in prachtvoller Umgebung. (Noch ein kleiner Tip: Einen informativen Bericht zur benachbarten "Ötzi trifft Yeti" findet sich im Bergzeit Magazin)

 

Und was das Erlebnis auch wieder aufgezeigt hat: die alpinen Sportklettereien darf man nicht unterschätzen. Um am eigenen körperlichen Kletterlimit in grossen Wänden trotz (weitentfernter) Bohrhaken leichtfüssig klettern zu können, dafür bedarf es gezielter Vorbereitung. Den Kopf frei zu haben, fokussiert auf die kommenden Klettersequenzen, unabhängig von der Sicherung darunter, das ist die Crux, an der es zu arbeiten gilt. Leichte, alpine Klassiker versüssen den Klettergenuss, alpine Sportklettereien hingegen sind Grenzgang und mental stark belastend, dafür stellt sich aber auch umso tiefere Genugtuung ein. "Ernst" definiert sich hier ganz neu.

 

 

Teil 1: Dauphiné


Klettereien am Col du Galibier, Unterkunft: gîte "le refuge du Lautaret"

  • Tour Termier Westwand: "Marmotta impazzita" und "feu sacré"
  • Rocher de la Mandette: "dolce vita"

Erholungstag:

sehr sonnige Wanderung von Chazelèt hinauf zum Plateau d'Emparie,

vorbei an zwei wunderbaren Bergseen mit Blick auf die Meije

Unterkunft: Hotel "le Faranchin" in Villar d'Arène


Übersiedlung nach la Bérarde in die Unterkunft "champ de pin"

Granitklettereien

Genusstour am Tête de la Maye: "la marre maye"

steile Granitklettereien am Paroi Rouge de Belliou: "Dièdres á gogo"

Teil 2: Dolomiten

 

Hotel Jägerhof in Kolfuschg als Stützpunkt

 

- Klettereien am Ciavazes bis zum Gamsband:

  • kleine Micheluzzi
  • Abramkante
  • Bergführerweg

- Klettereien am 1. Sellaturm Südwand

  • Ictarus 
  • The Bernard's neue Sportklettertour von 2013
  • Schober 

- kleiner Falzaregoturm: Comici

- Lagazuoi Trapez: M.Speziale

 

- kleine Zinne (jeweils nur die ersten 2 SL)

  • Perlen vor die Säue
  • Prima Ballerina 

- Rosengarten Vajoletturm: Delagokante

- Sportklettern in den Cinque Torri an der Südwand des Torre Grande

 

2 Trailruns

  • rund um die Zinnen und Paternkofel
  • Fanes-Rundtour mit Heiligkreuzkofel

Ciavazes Touren

Klettereien am 1.Sellaturm

Klettereien und Trails Zinnen

Trails Fanes

Delagokante im Rosengarten

Genussklettereien am Falzarego

Sportklettern Cinque Torri

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Kommentare: 1
  • #1

    Timon Abegglen (Dienstag, 30 September 2014 14:24)

    ...was für geniale Bilder und Eindrücke...!!

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Patricia Neuhauser

 

Sportwissenschaftlerin, MSc

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