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Finale Ligure über Pfingsten

So schön: endlich wieder miteinander Klettern gehen, gemeinsam Erlebnisse teilen können! Die Welt beginnt wieder in Ordnung zu sein, zumindest in unserer kleinen Klettergalaxie. Wir steuern bereits freitags morgens auf Finale Ligure zu, diesmal entkommen wir dem nervenaufreibenden Gotthardstau. Unsere Unterkunft für die nächsten 4 Nächte, das B&B Joie de Vivre in Eze, ist schnell bezogen, der erste Felskontakt ruft.


Der Rocca di Perti mit den beiden Sektoren Placca Piotti und Centrale lässt unser Kletterherz höher schlagen. Routen wie "Porkys" und "Lemmings", welche über herrlich griffig-steilen, gelblich-rötlich erodierten Felsen führen oder auch die schöne Linie der "Diretta Saraena" über wasserzerfressenen, grauen Kalk begeistern. Die Hakenabstände sind typisch Finale, weit, aber immer durchdacht gesetzt, so dass kein Stress aufkommt, sondern flüssiger Klettergenuss.


Zum krönenden Abschluss des ersten Tages reservieren wir gleich für den kommenden Abend bei Bastian Contrario, der die besten "Filet di manzo" zubereitet. Das unscheinbare Restaurant rechterhand an der Strasse nach Calice ist immer gut besucht, eine Reservation daher Pflicht. Unterdessen probieren wir die leckere Pizza beim "Alter Ego".


Die Falesia di Silenzio bestechen durch excellenten Fels, wasserzerfressen oder löcherdurchzogen, je nach Geschmack und Schwierigkeitsniveau. Wer den etwas längeren Zustieg durch die Botanik nicht scheut, der wird mit 3-Sterne-Routen wie "il silenzio parla", "pat pong", "Antaio" und "dous-dous" belohnt. Für die schönen Überhänge lässt momentan unser Strom zu wünschen über, aber wir kommen wieder, keine Frage. Dann wird angegriffen!!!


Nach einem relaxten Sonnentag am Meer (ja, ich war mehrmals planschen:-)), kletterten wir in einem weiteren klassischen Gebiet. Der Rocca di Corno mit seinen 3 Sektoren bietet je nach Sonnenstand immer Möglichkeiten, um im Schatten zu klettern. Gestartet haben wir am markanten Westportal, das mit der "Rombo di Vento" ein Zuckerl parat hält. Steiler als steil zieht die Megalinie entlang einer Sintersäule, beidseitig begrenzt durch die gelben Eronsionen. Aufwärmen? Ach, die ersten 10m schauen eh nach Aufwärmen aus;-) Und schon befinde ich mich in der Crux, einem weitausladenden Bauch, der mittels guter Griffe hergerissen werden möchte. Natürlich langt die Fitness nach einem halben Jahr Kletterpause nicht, um astrein dort durchzusteigen, der erste Hänger ist vorprogrammiert. Aber die Lust auf mehr ist geweckt.


Wir ziehen weiter, der zentrale Wandteil mit den perfekten wasserzerfressenen Wandklettereien ist belegt, also weiter Richtung Settore Est. Die "Rosso Antico" empfängt mit steilem Henkelgeschupfe und endet in diffiziler Wandkletterei. Ums Eck warten 2 neuere Routen. Die kurze Verschneidung ist empfehlenswert, die rechte der beiden neuen Routen hammermässig genial. Die linke wirft mich leider immer wieder am vorletzten Haken ab. Einarmige Fingerpower, weite Blocker, ich bin am Ende meiner nichtvorhandenen Kräfte. Der Führer stammelt was von 6b...der meint wohl 7b!


Immer wieder belustigend ist das Sitzen auf dem Hauptplatz bei der Bar Centrale. Das rege Treiben beobachten, bestes Gelati (vergleichbar mit dem Eis beim Tarifa in Arco!) schlecken, Chips knabbern und ein erfrischendes Bier schlürfen, dabei die lustigsten Gestalten beobachten, sündhaft teure Bikes bestaunen, krasse Outfits sehen, Jung und Alt, Kletterer und Biker, Einheimischer und Tourist. Ein einziger Tumult am Wochenende.


Am Dienstag kehrt langsam Ruhe ein, Pfingsten ist vorüber, die Nacht über hat es geregnet. Wir sitzen beim Frühstück und schauen dem wirren Chaos der vorüberziehenden Wolkenfetzen nach. Dunst, funkelnde Tropfen, die Sonne erwärmt die Landschaft wieder zum Leben. Wir packen unsere Sachen und ziehen zum Monte Cucco, genauer gesagt zum Anfiteatro, das regengeschützt durch seine Steilheit immer trockene Routen parat hält. Den Ultra-Pump gibts gleich zum Aufwärmen im "Dobermann", der schmierig wie Seife mich an meine Grenzen bringt. Ein weiteres Toprope und wir sind fit für die nächsten Touren.


Weiter links warten 2 "Leichtere", die aber nicht unterschätzt werden sollten. Letztes Jahr hab ich die zweite Seillänge, die "Waterfall" probiert, momentan muss ich mich mit dem "Zustieg" begnügen. Schliesslich wandern wir nach rechts aussen, dort wo der Zustiegsweg an den Felsen führt. Eine grosse, weisse, löcherdurchzogene Wand reizt, die Hakenabstände wie immer finalemässig. Der erste Haken auf schwindelerregender Höhe. Da überlegt man sich die ersten Meter genau, um ja keinen Grounder zu provozieren. Doch abermals darf man auf die Sanierer vertrauen, die die wenigen Klebehaken an die richtigen Stellen platziert haben. Die Linie der ersten Seillänge der "Zambarinik" sticht mir sofort ins Auge. Doch der Respekt ist noch zu gross, erst als ich recht locker die rechts davon gelegene Verschneidung klettere, bin ich bereit einzusteigen. 


Wahnsinn! Ich bin begeistert, jede Sequenz ein Meisterwerk! Wie sich das auflöst! Die Crux gleich mal zu Beginn beim ersten, zweiten Haken. Eine glatte weisse Wand und dazwischen an den richtigen Stellen Dellen, Schlitze und Löcher, wie geschraubt. Wegzuklettern vom letzten Haken mit der Hoffnung, es wird sich schon auflösen und zum Einhängen des weitentfernten nächsten Hakl wird schon ein "Henkel" kommen, das sind schon lässige Momente beim Klettern, die wir lange lange vermisst haben.


Es geht aufwärts! Schmerzfrei Klettern, Felsstrukturen und Linien geniessen, sich überwinden, tüfteln, kämpfen und mit einem breiten Grinser oben beim Stand ankommen. Wir freuen uns auf mehr!









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