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Hardergrat / Brienzergrat

Die Kingline

Grün. In allen Facetten. Hell, dunkel, schillernd, leuchtend, blass, ins Blaue abtriftend. Die Farbe Grün dominiert auf einer der Kinglines der Schweizer Alpen. Die Rede ist vom Hardergrat, einer kühnen Graskante, die sich über das Brienzer Rothorn zwischen dem Brünigpass und Interlaken zu einer logischen Linie vereint. Auch wenn Grossteils ein Wanderweg beziehungsweise eine Pfadspur den Weg weist, das Gelände kann teilweise recht ausgesetzt sein und Trittsicherheit und Schwindelfreiheit verlangen. Also nix breite Autobahn zum Ballern, die fast 40km müssen hart verdient werden. Der Name ist Programm! HARDergrat.

 

Dafür wird man, vorausgesetzt der Kamm wird nicht gerade von Wolken eingehüllt, mit wunderschönen Aussichten auf den tief türkisfarbenen Brienzersee und die hohen Berner Alpen Berge wie Jungfrau, Eiger und Co., verwöhnt. Eine Mischung aus schnellem Gehen, flowigen Passagen, kurzen steilen Anstiegen über Rasentritte, kleine Kraxleinlagen mit Seilversicherung und dann wieder über weite Strecken ein zahmer Wanderweg. Zur Rechten die hügeligen Voralpen rund um Sörenberg, zur Linken dieser surreal milchig-blaue Brienzerseetiefblick. Das kann schon was! Rund um die beiden Metropolen Brienzer Rothorn und Harder Kulm ein Aufgebot an Touristen und Wanderern, die sich bequem mit der Standseilbahn in die Höhe hinauf haben schaufeln lassen. Dazwischen, davor und dahinter Ruhe, Stille, Einsamkeit. Fast schon bedrohlich wirken die letzten Gipfelaufschwünge, die in dunkles Licht getaucht unfassbar weit erscheinen.

 

Doch der Schein trügt nicht, in der Tat nimmt der Grat kein Ende. Immer wieder folgt auf den einen Aufschwung der nächste Gipfel, ein Grashügel steiler als der andere, das Ende des Sees und somit das Ziel, der Bahnhof Interlaken Ost, will nicht näher kommen. Mit der Länge der Tour folgen Höhen auf Tiefen und umgekehrt. Mal zwickt das Wadl, mal pocht das Herz, mal schwebe ich im dehydrierten Delirium, torkle von Grasbüschel zu Grasbüschel, bevor ein strak zuckerhaltiges Gel mein Gehirn und Kreislauf zu neuem Leben erweckt. An einem Gipfel lasse ich mich ins Blumenmeer sinken, schliesse die Augen und höre in meine erschöpften Muskeln hinein. Die Wegstrecke und die Höhenmeter in Kombination mit dem oftmals sehr schmalen Wiesentrail habe ich tatsächlich unterschätzt. Ich bin platt, brauche 10 Minuten Pause.

 

Die Sache mit der Dehydrierung ist ein ernstzunehmendes Thema am Hardergrat. Bekanntlich fliesst eher wenig Wasser auf einem Grat, so sollte man sich die Wasserreserven gut einteilen und lieber etwas mehr mitnehmen, nicht nur an einem heissen Tag. Wie wählten ohnehin einen eher kühlen Tag, der grossteils auch noch Bewölkung und Schatten am Grat spendete. Bei 40 Grad im Schatten ist der Hardergrat wohl nur als Wüstenvorbereitungslauf zu empfehlen. Wasser gibt es nur auf Harder Kulm und am Brienzer Rothorn! Wir hatten Glück, auf Höhe Horet gabs Getränke zu kaufen, der halbe Liter Elmer Citro floss in einem Rutsch in unsere ausgedorrten Kehlen. Mit diesem Schuss Zuckerwasser retteten wir uns bis Harder Kulm weiter.

 

Wer am Brünig startet rennt mit der Sonne im Gesicht und in den Sonnenuntergang hinein. Dafür hat man ca. 400Hm mehr im Abstieg zu bewältigen, was bei der Fülle an Höhenmetern aber auch schon egal ist. Ausserdem spuckt einen der Wanderweg mehr oder weniger am Bahnhof Interlaken Ost aus, wo unzählige Imbissbuden und Bars das Warten auf den Zug versüssen. Selten schmeckte der Dürüm Kebap so vorzüglich...Aber Achtung, wer den letzten Zug Richtung Brünig verpasst, braucht einen Plan B. In unserem Fall setzten wir uns in die S-Bahn nach Brienz und nahmen uns ein Taxi mit 2 weiteren Wanderern, die wir bereits am Hardergrat angetroffen hatten. Kostenpunkt 50CHF! Wer dann wie wir nur noch 10CHF in bar dabei hat, tut gut daran, Plan C zu entwickeln. Zum Glück war Verlass auf die beiden Speedwanderer und die moderne Technik mit der TWINT APP, echt praktisch.

 

Facts Brienzergrat/Hardergrat:

  • Brünig Bahnhof- Interlaken Ost: 39km/3100Hm (3500Hm im Abstieg), T5
  • Auf genügend Wasser- und Verpflegungsreserven achten!
  • Einen stabilen Tag wählen, vorzugsweise mit eher kühleren Temperaturen
  • Wir benötigten gesamthaft mit Einkehr im Gipfelrestaurant am Brienzer Rothorn und allen anderen Pausen 10h, reine Bewegungszeit vermutlich um die 9 Stunden? Dabei sind wir besonders zu Anfang noch viel gejoggt, sowie die flacheren Passagen am Grat, später dann zunehmend stramm marschiert.

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