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Traverse Ulrichshorn Balfrin Gross Bigerhorn

Wir hatten nicht damit gerechnet, dass diese Überschreitung, zu einer der bis dato grossartigsten Skyrunning-Traversen werden würde. Landschaftlich und technisch extrem abwechslungsreich. Dabei überschreitet man noch nicht mal einen Viertausender, kratzt aber mit dem Ulrichshorn doch schon recht nahe an der 4000m Marke. Immer mit Blick auf den in Bergsteigerkreisen beliebten Klassiker Nadelgrat, bewegt man sich über lange Zeit entlang eines Panorama-Catwalks: die Überschreitung Ulrichshorn, Balfrin, gross Bigerhorn gehört sicherlich zu den schönsten Skyrunning Abenteuern, die es im Wallis zu erleben gibt!

 

Gestartet sind wir gegen 8Uhr im autofreien Bergdorf Saas-Fee, wo direkt and der Kirche der Wanderweg zur Mischabelhütte hinauf beginnt. In unzähligen, aber gut angelegten Kehren überwinden wir auf kurzer Distanz enorm viel Höhenmeter. Leider brennt die Sonne bereits am Morgen gnadenlos in diese sonnenbeschienene Flanke. Harry, der sich zum Ziel gesetzt hat bis zum Anfang der Drahltseilversicherungen alles zu rennen, dampft gewaltig. Aber auch mir, der Schnellgeherin, rinnt ein salziges Bächlein von der Stirn. Bevor die leichte Kraxelei beginnt, empfangen uns auf einem felsigen Absatz Steinböcke. Wir kennen diese Truppe noch von den letzten beiden Anstiegen hinauf zum Ulrichshorn. Gesellige Typen, wenn auch auf den letzten Metern der Nähe dann doch schreckhaft. Auch die Murmeli Tierwelt begleitet unseren Anstieg, man merkt sehr wohl, dass diese niedlichen Tierchen Menschen gewöhnt sind. 

 

Der erste Energiekick folgt auf der Mischabelhütte, die zu diesem Zeitpunkt um kurz vor 10 von Besteigern des Nadelhorns bereits gut besucht ist. Ein halber Liter Sinalco und unser Energielevel steigt im Nu. Über den felsig-blockigen Rücken geht es weiter, wir lassen die Abstiegspur im weichen Schnee rechts liegen. Erst auf ca. 3550m wechseln wir auf den Gletscher, mit Aluschneeketten an den Füssen, dessen Spalten noch gut bedeckt sind. Wie immer ist der Anstieg zum Windjoch von glühender Sonne und weichem Schnee gekennzeichnet, oben am Joch trifft uns dann fast der Schlag. Eine kalte Bise weht unaufhörlich, das durchgeschwitzte T-shirt wechselten wir wohlwissend um diese vorherrschende Situation bereits etwas unterhalb in der Gluthitze. Winddichte Jacken und Handschuhe wandern an unsere Körper. Die Lenzspitze NE-Wand strahlt wie ein Parabolspiegel, auch wenn mittlerweile erste Felsbänder und ein grösserer Bergschrund die Wand durchziehen. Eine dicke Spur leitet hinauf zum Nadelhorn, das von hier nur noch einen Katzensprung entfernt zu sein scheint. Doch der Schein trügt und der Anstieg ist mit Vorsicht zu geniessen. Wir haben heute jedenfalls nicht die passende Ausrüstung dafür mit, war aber auch nicht geplant, noch einen Abstecher aufs Nadelhorn zu unternehmen.

 

Viel lieber rennen wir die letzten Meter hinauf zum Ulrichshorn, mit 3925m unser höchster Punkt des Tages. Die Südseite am Gipfel bietet sogar ein windstilles Platzl, an dem sich noch weitere Bergsteiger zur Gipfelpause versammelt haben. 3 Stunden und 14 Minuten. Bis dato unsere schnellste Zeit auf das Ulrichshorn (inklusive der Cola-Trinkpause und den sonstigen Pausen mit Wechsel der Kleidung,...)

 

Vom Ulrichshorn leitet zunächst eine gute Spur nordseitig hinunter auf den Gletscher, der Schnee hat Grip, so dass wir, als es etwas flacher wird, es einfach laufen lassen können. Erst im flacheren Abschnitt beginnen wir teilweise einzubrechen und versuchen uns daher leicht zu machen. Auch hier ist der Gletscher noch sehr gut eingeschneit und wir fühlten uns auch ohne Seil sicher. Ab der Felsinsel ist der Weg vorgegeben, der Schutt ausgetreten und nicht zu verfehlen. Immer wieder schweifen nun unsere Blicke hinüber zum Nadelgrat und den imposanten Gletscherspalten unterhalb des Windjochs und Nadelhorns. Recht rasch erreichen wir einen Vorgipfel des Balfrins, von wo abermals eine Schneeflanke hinunter in eine Senke leitet. Schneeketten anziehen, ausziehen, Pickel rausnehmen, montieren. Zum Glück geht dieses Prozedere rasch von statten.

 

Es ist wieder leichtes Kraxln und gehen im Blockwerk/Schutt angesagt, bevor wir tatsächlich auf dem Balfrin stehen, unserem zweiten Gipfel des Tages. Ein sehr steiler Abstieg, der später in der Saison die Knacknuss werden könnte, wenn er nämlich blank ist. Wir treffen allerdings auf sehr griffigen Trittfirn, der uns zwar mit einem etwas mulmigen Gefühl sicher hinunter leitet in flacheres Terrain, aber auch viel Zeit kostet. Die Tritte der Vorgänger sind nur schwach in den Schnee gezeichnet, wir rammen den Pickel bis zum Anschlag ein, gehen tief in die Knie und setzen 2 Schritte, bevor der Vorgang wiederholt wird. So passieren wir die steile Flanke bis sie merklich an Steilheit abnimmt und ein easy hinabrennen zulässt. Mit den Aluschneeketten sicherlich eher grenzwertig im Abstieg, bei unseren Verhältnissen mit der nötigen Vorsicht aber durchaus akzeptabel.

 

Nachdem die Knacknuss geschafft war, verräumten wir unser Material und kletterten hinüber zum letzten Gipfel des Tages, dem Gross Bigerhorn. Einem grossen Blockhaufen, der bei Alpinwanderern wohl recht beliebt ist. Der Abstieg ist mit Steinmännern gut markiert, allerdings zieht er sich gewaltig bis zur Hütte. In diesem unstabilen Gelände ist an kein Rennen zu denken, wir traben daher, die Müdigkeit schlägt sich langsam in schlechterer Koordination und Konzentration nieder. Da kommt ein zweiter Zuckerschub an der Bordierhütte gerade richtig. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle, dass das Flüssigkeitsmanagement auf dieser Tour nicht so einfach ohne Hütten wäre. Ab Saas-Fee gibt es praktisch keine Möglichkeit Flüssigkeit nachzutanken, ausser auf der Mischabel- und Bordierhütte. Also daran denken, genügend Geld mitzunehmen (7CHF/0,5l).

 

Umringt von Gletschern, die samtig im Nachmittagslicht schimmern, turnen wir, gestärkt vom Stopp an der Bordierhütte, den blau-weiss markierten Weg hinunter zur Gletschertraversierung, die problemlos ohne jegliche Ausrüstung flott über die Bühne geht. Orangefarbene Stangen weisen den Weg und das blanke, flache Eis mit der Dreckauflage ist schön griffig. Beim anschliessenden Moränendownhill müssen wir nicht nur einmal stehen bleiben und ums umdrehen. Dieser hintere Kessel rund um die Bordierhütte ist einmalig schön und beeindruckend. Der zerrissene Gletscher, die spitzen Moränenflanken, unten das Grün und dann der weite Blick hinaus bis zum Bietschhorn. Traumhaft.

 

Trotz der fortgeschrittenen Zeit auf den Beinen finden wir sogar nochmals Motivation die flowigen Trails mit etwas mehr Speed zu rennen, das gabs bisher noch gar nicht. Normalerweise fallen wir in einen Ultramodusschritt, der zwar effizient, aber wenig mit locker-flockigem Rennen zu tun hat. Erst der letzte, viel zu steile Knietöterdownhill im Wald lässt uns abermals in einen Gehschritt verfallen. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass wir knapp 9 Stunden benötigen werden bis nach Gasenried, wo der Bus uns mit zweimaligem Umsteigen wieder zurück nach Saas-Grund befördern wird. 

 

 

Facts:

 

Traverse Ulrichshorn, Balfrin, gross Bigerhorn

  • 21km, 2650Hm (up), 2750Hm (down)
  • Schwierigkeiten: leichtes Blockgelände (I-II) und 40Grad Firn/Eis
  • Tipp: eher früh in der Saison, damit noch kein Blankeis zum Vorschein kommt.
  • Material: wir verwendeten Aluschneeketten und Carbonpickel, Flüssigkeit! Wichtig: über den Zustand Balfrin Firngrat, Ulrichshorn vorab informieren um das passende Material zu wählen.
  • Mischabel- und Bordierhütte als Verpflegungsstützpunkte

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Patricia Neuhauser

 

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