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Titlis via Klein Titlis Südwand

 

Wenn dich Kniebeschwerden plagen, habe ich die perfekte Antwort auf deine Frage "weisst du eine schöne Bergtour mit bequemem Abstieg?": Titlis. Ja genau, dieser Titlis im Engelberger Tal, dessen Haupt recht easy mit der Seilbahn zu besteigen ist und wo Einsamkeit und Ruhe weniger treffende Begriffe sind zur Beschreibung des Berges. Doch wo Schatten ist, gibt es auch Licht, schwarz und weiss. Und so findet sich eben auch am Titlis eine abgeschiedene Anstiegsvariante, die ein vergnügliches Abenteuer verspricht. Sportlich als Tages-, gemütlicher als 2-Tagestour mit Übernachtung auf dem Grassenbiwak.

 

Nach der langen Hitzeperiode ist das Schneefeld in Wandmitte verschwunden, ausser dem harmlosen Gletscher im Zustieg kommen wir mit Schnee heute kaum in Kontakt. Dafür machen sich die Goretex-Schuhe beim Zustieg zum Biwak nützlich, nasse Wiesen und viel Vegetation begleiten uns unterhalb der Baumgrenze, Bäche müssen auf rutschigen Steinen traversiert werden, verdursten tut hier niemand. Die schattige Nordflanke hinauf zum Grassen Biwak entpuppt sich als wahrer Alpindschungel, da kommen die ersten Sonnenstrahlen hinterm Spannort gerade gelegen, um die Motivation etwas anzufeuern. Doch spätestens ab der Wegmitte fühlen wir uns wieder heimisch, Steinbockgelände. Der blau-weiss markierte Anstieg zum Grassenbiwak ist steil und kräftezehrend, mit einem schweren Rucksack sicherlich mühsam. Mit unserm leichten Trailrunning-Equipment zwar nicht gerade ein Spaziergang, aber dennoch spassig.

 

Ein Blick in das Grassen-Biwak lässt kurz Alpin-Sehnsüchte aufkommen, wir nehmen allerdings lieber Platz auf der sonnigen Bank vor dem Biwak mit herrlicher Aussicht. Die imposante Titlis SE-Kante zieht steil hinter uns empor, dagegen wirkt der Grassen-Gipfel nur einen Katzensprung weit entfernt. Unschwierig gehts über Geröll hinunter zum harmlosen Gletscher, der im linken Teil noch schneebedeckt ist. Wir schlittern über ihn ein Stück weit hinunter, bevor wir den Einstieg in  in die Klein Titlis Südwand ansteuern. Wenige Meter Schutt, dann dürfen wir unerwarteterweise an überaus festem, rauhem Fels Hand anlegen. Eine liegende Verschneidung bringt uns spielerisch kletternd hinauf. Kabelreste zeugen weiter links von früheren Zeiten, als hier noch ein Klettersteig in Betrieb war.

 

Dann beginnt der Teil, an dem Spürsinn und ein gutes Alpinnäschen von Vorteil sind. Die Südwand ist eher flach und gut gegliedert, Anstiegswege gäbe es wohl viele, doch wir wollen den für uns optimalen Weg erhaschen, was heisst: möglichst viel schönen, wenig schwierigen Fels, der für uns alle 4 gut ohne Seilsicherung handhabbar ist. Ein Steinmann markiert den Anfang einer Querung hinüber zu einer Rippe, über die wir an Höhe gewinnen. Leicht links haltend und einen steileren Aufschwung umgehend, mal muss man die Hände zur Hilfe nehmen, meistens geht es aber recht gut ohne.

 

Im grossen Kessel, wo normalerweise das Schneefeld liegt, halten wir uns entlang eines trockenen Bachlaufs, der festen, ausgewaschenen Fels und vergnügliches Kraxln bereithält. Immer noch links haltend steuern wir schliesslich auf einen weiteren Sporn zu, der uns die Tür für den oberen, letzten Teil öffnet. Die Ausstiegsleitern im Blick (entlang des hellgrauen Fels, Kamin) arbeiten wir uns kontinuierlich über schuttige Bänder hinauf, hier und da treffen wir auch auf Trittspuren. Die Leitern sind gut in Schuss, wenn auch recht steil und exponiert. Plattiger, abwärts geschichteter Kalk mit Schuttauflage entlässt uns aus der Wand und hinein ins Kulturschock-Abenteuer. Doch bevor wir dieses angehen, stürmen wir zunächst noch den Titlis-Gipfel, der bis auf 50m komplett schneefrei zu begehen ist. Der Tiefblick nach Engelberg gigantisch, nach Norden auf den stark abgeschmolzenen Titlisgletscher eher trübselig.

 

Schneespass am Klein Titlis für Inder, Berg-Entertainment der fragwürdigeren Art. Auf der anderen Seite kommen wir so in den Genuss eines knieschonenden Abstieges mit der Seilbahn. Es gibt halt wie immer dieses Für und Wider. Die 2 Seiten der Medaille, Schatten und Licht, Schwarz und Weiss. Des Einen Lust ist des anderen Frust...

 

Facts:

  • Wer früh startet, erhascht in der Regel einen der kostenlosen Parkplätze seitlich der Strasse vor der Fürenalpbahn. Wer durch die Schranke fährt auf den offiziellen Parkplatz, muss bei der Ausfahrt zahlen.
  • nicht bei schlechtem Wetter, herannahenden Gewittern in die Wand einsteigen. Steinschlag!!!
  • Grassen-Biwak kann als Übernachtungsmöglichkeit dienen, gut ausgestattet (Ofen mit Holz, Wein, Essensreste, Geschirr,..., ca. 12 Betten)
  • Route durch die Klein Titlis Südwand verlangt ein gutes Gespür für den optimalsten Anstiegsweg, man kommt dann vermutlich nie über den II . Schwierigkeitsgrad. Allerdings verlocken manch schöne Felspassagen auch im 3. Grad zu klettern;-). Helm Pflicht! Viel Schotter. Das Gestein hat eine fantastische Reibung, man kann überall auf den Platten hinsteigen.
  • bei Benützung der Bahn für den Abstieg: es wird erst ganz unten in Engelberg ein Ticket verlangt
  • Busverbindung zur Fürenalpbahn stündlich in der Hauptsaison
  • Topo unter: http://www.engelbergmountainguide.ch/sommer/hochtouren/klein-titlis-via-suedwand/

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Patricia Neuhauser

 

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