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Sportklettern in Finale Ligure

Finale ist bekannt für seine harte Bewertung, für kleingriffig-technische Kletterei und teilweise recht sportliche Hakenabstände. Doch dieser Ruf trifft heutzutage nur noch teilweise auf das riesige Gebiet an der ligurischen Küste zu. Viele neue (und leichte) Kletterwege sind entstanden, mit vorbildlicher Absicherung und mit Liebe zum Detail eingerichtet. Der neue 800-seitige Kletterführer wird sicherlich dazu beitragen, dass wieder mehr Kletterer Finale auf ihrer Urlaubsdestinationsliste stehen haben. Denn auch hier spiegelt sich die Liebe zum Detail wieder, die Zustiege sind zum ersten Mal exakt beschrieben (oft hab ich mich bei so manchem Guidebook gefragt, ob Kletterer denn gar keine Vorstellung davon haben, wie man verbal den optimalsten Zustiegsweg erklären kann?!?), auf den Meter genau vermessen, das Suchen des Klettergartens hat endlich ein Ende und das stand eigentlich früher in Finale immer an der Tagesordnung. Die Zustiege ausgeholzt, ebenso der Wandfuss, Routennamen sind teilweise angeschrieben oder mit einer Zahl verwehen, die auch im Kletterführer erscheint. Zuviel Plaisir? Nein, ich denke nicht. Denn geklettert wollen die Routen noch immer werden!

 

 

Wer besonders einsteigerfreundliche Gebiete sucht mit vorbildlicher Absicherung sollte nach dem Namen Delfino Ausschau halten. Diese gute Seele hat über die letzte Dekade kleine Perlen erschaffen. Zu nennen sind hier die Klettergärten wie Kaimano oder Falesia del Gorilla. Aber auch andere Erschliesserteams haben tolle Arbeit geleistet. Das Gebiet des Bric Reseghe (besonders der Sektor Simon&Elias) überrascht mit nahen Hakenabständen und humaner Bewertung, um mal eines zu nennen. Natürlich dürft ihr hier nicht erwarten, allein zu klettern. Besonders wochenends ist letzt genanntes Gebiet hoffnungslos überlaufen.

 

Wer Ruhe sucht sollte mal einen Blick auf die Gebiete mit weniger Sterne in der Schönheitsbewertung werfen. Weniger Sterne bedeutet nicht zwangsläufig hässlicher Fels oder unschöne Kletterei. Liebe auf den zweiten Blick, so könnte man unseren Besuch des kleinen Gebietes Sakrestia bezeichnen. 15m lange Routen lassen bereits beim Blick ins Guidebook ein zu schnelles Überblättern vermuten. Doch Routen wie "Vamos al Pepita", "Cece" und "Mama Puo Salire" belehren schnell eines besseren. 

 

Ein brandneues Gebiet, was wir uns im Anschluss an die Sakrestia noch einverleibten, heisst Tibet und liegt recht hoch oben. Viel wurde geholzt um Platz am Wandfuss zu schaffen. Technisch anspruchsvolle, fingerkraftlastige Kletterei herrscht vor. Die schwierigeren Routen sind noch nicht bewertet.

 

Immer einen Besuch wert, besonders am Nachmittag, wenn Schatten in die Wand eingekehrt ist und ein flaues Lüftl weht, ist der Bric Scimarco Superiore. Felsqualität wie aus dem Bilderbuch. Wasserzerfressen, mit Löchern. Die Bewertung, nunja, klassisch hart (aber nicht bei allen Routen!). Die Absicherung voll ok, auch wenn manchmal weitere Abstände anzutreffen sind, der Klebehaken sitzt immer goldrichtig, darauf ist Verlass. Ein weiterer Klassiker: die Falesia del Silenzio. Dasgleiche Spiel, wasserzerfressener 1a-Fels oder Lochkletterei, manchmal doch recht sportliche Absicherung mit Klebehaken und eine wunderbare Aussicht. Allerdings wird's hier am Nachmittag schnell recht heiss.

 

Der Felskessel von Toirano bietet sich als Kontrastprogramm zum Fels von Finale an. Über die Autobahn schnell erreichbar und mit einer Einkehr im netten Dörfchen unbedingt zu verbinden, bieten die sonnigen Gebiete von Toirano besonders für kühlere oder bedeckte Tage eine gute Möglichkeit Felsneuland kennenzulernen. Der beste und ergiebigste Sektor ist vermutlich der Gumbi, stellt euch allerdings auf eher harte Bewertung an den Felsen von Toirano ein. Wir zischten diesmal allerdings direkt daran vorbei und steuerten auf die Belvedere Felsen zu, Name ist Programm. Abgespeckt ein Fremdwort, ein Griff oder Tritt kann durchaus sich noch in die Tiefe verabschieden. Die Absicherung speziell, am Stand finden sich lediglich 2 nichtverbundene Klebehaken. Doch die Lage macht die wenigen Minuspunkte wieder wett.

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Patricia Neuhauser

 

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