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Trailrunningwoche La Palma mit den trail-maniacs

 

La Isla Bonita: Trailrunninghotspot la Palma

 

 

Zehn, neun, acht,….der Countdown läuft! Kurz darauf vergnügtes Gelächter aus den hinteren Reihen, während die auf den vorderen Plätzen laut aufschreien. Splash!!! Die Gemeinschaftsarschbombe in unseren Gartenpool zeigt Wirkung.

 

Nur wenige Wochen später wird ein richtiger Countdown die kanarische Insel la Palma zum Beben bringen. Dann nämlich startet die, in Trailrunnerkreisen, weltberühmte Transvulcania auf der 706 Quadratkilometer kleinen Insel. Wie so ein Event in so kurzer Zeit an einem so entfernten Ort im atlantischen Ozean schon fast Kultstatus erreichen konnte? Du musst die Transvulcania einfach selbst mal miterlebt haben! Fast alle Teilnehmer sind Wiederholungstäter und Jahr für Jahr gibt die Weltelite sich hier ihr Stelldichein. Die Insel bebt, Einheimische feiern mit der Schar an internationalen Trailrunnern und kanarischen Athleten. 

 

 

Wir haben es hier also schön feucht-fröhlich, die Regenerationszeit will selbstverständlich genutzt werden. Immerhin stehen für 1 Woche lang tagtäglich Trailläufe über die gesamte Insel verteilt auf unserem Programm. Wir wollen möglichst viel erkundschaften, möglichst viele Eindrücke mitnehmen und die Schätze der Insel auch ausserhalb der Transvulcania-Strecke entdecken. La Palma bietet nämlich mit einem perfekt markierten und ausgeschilderten Wanderwegenetz (es sind fast 1000km!), sowie mit dem Nationalpark Caldera de Taburiente, den Spielplatz der Träume für uns Trailrunner.

 

Vielfalt ist Trumpf

 

 

Klima, Geländeformen, Naturräume und Kulturlandschaften wechseln auf engstem Raum. Im Süden dominiert eine an eine Mondlandschaft erinnernde Atmosphäre, staubtrockenes, dunkles Lavagestein beherrscht das Landschaftsbild. Davon bekommen die Starter der Transvulcania leider wenig zu sehen, sie starten noch im Dunkeln, direkt am Meer beim Faro de Fuencaliente am südlichsten Zipfel der Insel. Dafür dürfen sie Bekanntschaft mit dem unliebsamen Sand machen, der unermüdlich zwischen den schweissgetränkten Zehen reibt und der Wadenmuskulatur bei jedem Abdruck des Fusses gehörig einheizt.

 

Ruta de los Volcanos

 

Der grobkörnige Sand, welcher die Blasenbildung fördert, ist echt ein Thema auf la Palma und sollte ernst genommen werden, besonders auf der 3. Etappe des GR131, der wunderschönen Ruta de los Volcanos, welche auf 24km zwischen El Pilar im Landesinneren und dem Faro de Fuencaliente an der Küste die verschiedenen Vulkane in Szene setzt. Ein Flowtrail ohnegleichen, wenn man den Grossteil des Höhenunterschiedes (2200HM!) im Downhill angeht, also mit Start in El Pilar. Fast schon futuristisch reihen sich da froschgrüne Bäumchen als Farbtupfer in die sonst eher grau-rötliche Farbgebung des Lavabodens ein, Sukkulenten zieren den Weg und mit etwas Wetterglück rennt man über den Wolken, anstatt in ihnen. Definitiv einer der besten Trails der Insel.

 

Logistiker müsste man sein

 

 

20 ambitionierte Trailrunner unter einen Hut bringen zu wollen, grenzt an puren Wahnsinn. So viel Engagement darf bei einer privat organisierten Trailrunningreise nicht erwartet werden. Auch wenn wir trail-maniacs uns innerhalb der Community und des Vereins grösstenteils kennen, ein paar neue Gesichter galt es ebenso einzugliedern wie auch das tägliche Programm zu gestalten und die logistischen Hürden mit unseren 6 Mietautos und 4 Ferienhäusern zu koordinieren. Auf der anderen Seite ergaben sich so für uns auch neue Möglichkeiten, wir waren fortan nicht mehr auf Trailrunningrunden angewiesen, sondern konnten die besten Strecken von A nach B rennen und den Autoschlüssel für die entgegenlaufende Gruppe im Radkasten deponieren. Auch wenn das manchmal fast im Desaster endete, nicht nur einmal fuhren wir mit 7 müffelnden Trailrunnern hineingepresst in einem schäbigen Mietwagen die kurvigen Strassen vom Endpunkt des Runs hinunter zu unserer Unterkunft in las Manchas zurück. In Indien an der Tagesordnung, auf la Palma eher gewöhnungsbedürftig.

 

Über 1000 Kurven musst du gehen—äh fahren

 

 

Der Roque de los Muchachos ist mit 2426m nicht nur der höchste Punkt der Insel, er beherbergt auch ein Observatorium wegen der extrem sauberen Luft und dem Ausbleiben von Streulicht auf la Palma. Egal welche der beiden Strassen hinauf zum höchsten Punkt man auch wählt, ihnen ist eines gemeinsam: Kurven. Unendlich viele Kurven. Wem da die Autofahrt zu bunt wird, der muss nach dem phänomenalen Berglauf vom Playa Tazacorte bis hinauf zum Roque de los Muchachos zusätzliche Reserven zu den eh schon bereits 2600 absolvierten Höhenmetern einplanen, um gleich die zweite Etappe des GR131 anzuhängen (Roque de los Muchachos - El Pilar; 26km). Ein Gewaltsakt, den Bruno und Ruedi zum Abschluss unserer Trailrunningwoche aufs Parkett zauberten. Wer sich also Bergläufer oder Skyrunner nennt, darf hier beim Berglauf „sea-to-summit“ seine Läuferqualitäten testen. Nebenbei, die Teilnehmer des Transvulcania dürfen diese Etappe als krassen Oberschenkeltöter erleben, im Downhill versteht sich.

 

Wer rastet, der rostet 

 

7 Tage in Folge, an jedem Tag von Neuem den Schweinehund motivieren. Wenn die Blasen an den Füssen brennen, wenn die Flasche leer und auch die Dämpfung des Trailschuhs nach Pause schreit. Dann ist es Zeit für: DIE Gemeinschaft, DIE Community. Sie weckt dich auf, sie packt dich, sie lässt nicht locker. Und natürlich schnürst du wie von Geisterhand gelenkt erneut deine Trailrunninglatschen, verflogen jeglicher Anschein von Müdigkeit und Schwäche. Ein neuer Tag, ein neues Spiel, ein neuer Trail, eine neue Gruppe. Los gehts. Pausieren kannst du ja, wenn du wieder zu Hause bist in deinen 4 grauen Wänden. Ansporn und vor allem Spirit, das ist es, was das Laufen in der Gruppe ausmacht. Stärken der Teilnehmer können zu einer Art Cloud heranwachsen, aus der die Gemeinschaft dann vollends schöpfen kann. Ist es nicht herrlich zu sehen, wenn Leute über sich hinauswachsen? Sich auf einmal mehr zutrauen und mutig die schmale Passage mit saugendem Tiefblick bewältigen? 

 

Nationalpark Caldera de Taburiente

 

 

A propos Tiefblick und schmale Pfade. Auch das kann die abwechslungsreiche Insel mit ihrem Herzstück, dem bereits seit 1954 bestehenden Nationalpark Caldera de Taburiente, bieten. Hufeisenförmig und mit einem enormen Höhenunterschied vom Talgrund bis an den Rand der Caldera umschliesst dieser faszinierende Kessel allerlei Naturschönheiten. Kein Weg ist einfach zu begehen, einige Pfade schlängeln sich dermassen ausgesetzt an den steil abfallenden Wänden entlang, dass ausdrücklich gewarnt wird, diese nur vorbereitet und nach Trockenperioden zu begehen, komplette Schwindelfreiheit und absolute Trittsicherheit vorausgesetzt. Informationen über geöffnete und geschlossene Wege findet man beim Besucherzentrum und auf deren Website.

 

Urwald und Lorbeerwälder

 

Noch während wir beim Frühstückstisch sitzen und angeregt über die Trailrunninghighlights von la Palma diskutieren, treibt es den für die Insel so typischen Nebel über den Bergkamm bei El Paso. Wie ein Gletscher fliesst die dichte Wolkendecke knapp über die Wälder und züngelt bei den ersten Häusern von El Paso. Plan B muss her, der panoramareiche und fast schon alpine Höhentrail der 2. Etappe des GR131, welcher zwischen El Pilar und dem Roque de los Muchachos über 26km am Calderarand mit beeindruckenden Tiefblicken zu einem der „must-do“ Trailruns auf der Isla Bonita gehört, lohnt sich an diesem Tag nicht. Wenn schon Nebel und mystische Stimmung, dann schon in den dunklen und stimmungsvollen Lorbeerwäldern im Nordosten der Insel. Ein wahrlich grosser Urwald, geschützt als Biosphärenreservat, den unser Auge, das an Buchen- und Mischwälder gewöhnt ist, üppig und als wahrlich biologische Explosion der Vielfalt wahrnimmt. Moose, Farne und Efeu wuchern im immer-feuchten Nebelwald.

 

Ein nicht alltäglicher bunter Haufen

 

 

Gepflegte Ortschaften wie Santo Domingo oder Puntagorda, die besonders im Frühjahr zur Obst- und Mandelblüte einen Ausflug wert sind, liegen etwas nach hinten versetzt mit Abstand zur spektakulären Steilküste. Immer wieder finden sich liebevoll gestaltete Boutiquen von Auswanderern, vornehmlich Deutschen, in den Gässchen der kleinen Orte, die Handwerksarbeit nicht nur als Mitbringsel anbieten. In Santo Domingo finden wir uns am frühen Nachmittag auf dem Dorfplatz wieder, verschwitzt und mit knurrenden Mägen. „Ein wilder Haufen“ mussten sich die Dorfältesten, welche an der gegenüberliegenden Hauswand auf einem Stuhl sitzend und genüsslich an ihrer Zigarette ziehend aus ruhiger Entfernung das Treiben beobachten, gedacht haben. Spätestens dann, als Conny mit ihren exzellenten Spanischkenntnissen einmal querbeet die komplette Speisekarte orderte. Angefangen von frischen Salaten über die für die Kanaren so typischen Patatas Arrugadas, das sind salzige Runzel-Kartoffeln, die ideal die Energiereserven ausgelaugter Trailrunner aufpeppen. Gebackener Ziegenkäse mit Mojo rojo und verde Sauce, leckere Fleischbällchen und und und. Die zunächst distanzierte Kellnerin staunte nicht schlecht über unsere Bestellung, nachdem wir dann beinahe die zweite Runde in Auftrag gegeben hätten, rutschte auch ihr ein breites Grinsen über beide Mundwinkel.

 

Rhythmischer Sound und der Klang der Brandung

 

 

Vom Transvulcania kennt man die inspirierenden Bilder vom halsbrecherischen Downhill der Topathleten, welche mit Blick auf das dunkelblaue Meer einen Wanderweg mit unregelmässig gepflasterten Steinen in vielen Serpentinen hinunter zum Fischerort Puerto de Tazacorte fliegen. Umgeben von Bananenplantagen, Bananen sind die Haupteinnahmequelle der Palmesen, liegt das quirlige Örtchen Puerto Tazacorte an der Mündung des Barranco del Angustias, welcher das sich sammelnde Wasser aus der Caldera in den Atlantik befördert. Vielleicht ist es die Sonne, die hier fast immer vom Himmel scheint, im Gegensatz zu der meist wolkenverhangenen Nordostseite der Insel, wo auch die Hauptstadt Santa Cruz liegt, die diese besondere Atmosphäre im lebhaften Tazacorte schafft. Der dunkle, breite Lavasandstrand, Hippies und Aussteiger, die friedlich musizierend den Beat der Brandung übertönen, bunte Fischrestaurants und salzige Luft, treffen auf Urlaubsstimmung und Individualtouristen. Wir sind mittendrin und fühlen uns angekommen im Paradies für Trailrunner.

 

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Patricia Neuhauser

Sportwissenschaftlerin, MSc

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