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Gwächtenhorn NE Wand

Es ist bereits der dritte Anlauf, dementsprechend gross die Erwartungen, dass es heute endlich klappen sollte. Der Hatscher aufs Gwächtenhorn über den langgezogenen Gletscher ist zwar landschaftlich ausgesprochen schön, aber eben, er zieht sich. Hochwinterlich gestalten sich die Verhältnisse bereits am Parkplatz Steigletscher. Wenige Zenti Neuschnee, dazu eine frische Bise. Immerhin, wir können die Ski direkt an der Strasse anschnallen, was doch schon ungewöhnlich für diese Jahreszeit ist. 

 

Prächtig weiss erstrahlt die Gwächtenhorn NE-Flanke bereits im Morgenlicht, als wir um kurz nach 6 los starten. Die Steilstufe am Steigletscher ist noch immer bestens eingeschneit, von Spalten weit und breit nichts zu sehen. Ab 2500m wechselt der mäuseknietiefe Pulver in richtigen Pulverschnee. Alles ist noch so schön unverspurt an diesem strahlend blauen Morgen, nur die zweispurige Autobahn gibt die Richtung vor, stetig aufwärts. Mit zunehmender Höhe weht ein eisiger Wind, wie gut, dass wir auf der Sonnseite aufsteigen und zumindest die wärmenden Sonnenstrahlen auf der schwarzen Skitourenhose spüren. An den Wendenstöcken auf der gegenüberliegenden Talseite donnert es gewaltig, mit den ersten Sonnenstrahlen spült es eine Nasschneelawine nach der anderen die schroffen Felswände runter. Ein imposantes Naturschauspiel, dem ich stundenlang zuschauen könnte. Doch wir müssen weiter, die Zeit drängt, die letzten Male wurde nix aus der Gwächtenhorn-Abfahrt, weil wir zu spät dran waren, der Schnee unliebsam weich und durchnässt. 

 

Dadurch, dass man einen Grossteil des Anstieges die Wand im Blick hat und auch von mehreren Perspektiven sieht, lässt sich ein Abfahrtsplan bereits im Aufstieg schmieden. Doch wie die Schneeverhältnisse dann wirklich sein werden, wissen wir erst, wenn wir drinstehen in der Flanke. Es ist 9Uhr, als wir den ersten Schwung ansetzen. Vorsichtig, denn der Schnee ist hart mit oberflächlicher Neuschneeauflage. Die unverspurte Flanke saugt, der Tiefblick ist gewaltig und irgendwie fühlen sich die ersten 100Höhenmeter deutlich steiler als 45Grad an. Harry tastet sich vor, mit einer Querung Richtung Wandmitte und wieder zurück auf einen Absatz an der felsigen äusseren Begrenzung. Zusammenreissen, konzentrieren, überwinden. Der erste Schwung stellt mich wieder und wieder vor eine grosse Herausforderung. Vieles geht mir in diesem Moment durch den Kopf, "was ist wenn". Wenn der erste Turn dann Geschichte ist, kommt automatisch das Selbstvertrauen zurück und die Abfahrt, begleitet vom Adrenalinausstoss, beginnt Spass zu machen. Die extreme Anspannung weicht,  macht Platz für das Gefühl der völligen Kontrolle. Es läuft. Schwung für Schwung. Nur beim Bergschrund, der diesmal ziemlich hoch und breit den Fuss der Wand markiert, heisst es nochmals besondere Obacht walten lassen. Wir entscheiden uns im Abfahrtssinne links vorbei zufahren. Big Turns im fluffigen Pulver folgen, bevor das Gletscherplateau uns in unserem Abfahrtsrausch stoppt. 

 

Wir fellen ein zweites Mal an, die Gletscherabfahrt links der NE-Wand (im Aufstiegssinne) ist noch unverspurt und verspricht eine genussreiche Abfahrt im stiebenden Pulver. Genau das, was wir jetzt noch brauchen: einfach den herrlichen Tag mit sprühenden Powderturns im Sonnenlicht besiegeln.

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Patricia Neuhauser

 

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