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Hockenhorn aus dem Gasteretal

Ein Tal schöner als das andere. Das Berner Oberland hat so viele Perlen zu bieten und jede ist auf ihre Art und Weise einzigartig. So auch das Gasteretal, welches sich von Kandersteg nach einer steilen Schlucht in Ost-West-Richtung öffnet und etliche Kilometer misst. Flankiert von schroffen Felsabbrüchen mäandriert im breiten Talgrund die Kander, ein Kleinod aus rauschendem Wasser und abweisenden Felsflanken und doch so lieblich und urtümlich. Einzigartig halt.

 

Ziemlich am Ende der Fahrstrasse, die Autofahrt ist eine Reise für sich, bietet sich das Gasthaus Steinbock in Selden als Ausgangspunkt für das Hockenhorn an. Der rot-weisse Wanderweg hinauf zum Lötschepass ist gut frequentiert, obwohl er im oberen Teil über einen Blockgletscher führt und hochalpines Ambiente aufkommt. Die Markierungen sind allerdings deutlich angebracht, der Anstieg zwar technisch, aber nicht schwierig. Interessantes Laufgelände mit grandioser Aussicht! Besonders die steile Flanke des Balmhorn schindet Eindruck, aber auch der Spitze Zack des Doldenhorns sowie die geschwungenen Linien des unbekannten Ferdenrothorns ziehen das Auge magisch an.

 

Auf einem klassischen Wanderweg, der in vielen Serpentinen mit raschem Höhengewinn hinaufzieht, überwinden wir ziemlich rasch die ersten Höhenmeter bis zur Gfelalp, wo sich die Vegetation lichtet und der Kargheit der Steinwüsten Platz macht. Noch geht es entlang von Wiesen und einigem Grün bergauf, doch sobald der Kessel von Schönbüel erstiegen ist, breitet sich die Felslandschaft zu unseren Füssen aus. Man muss Gefallen an solchen Steinwüsten haben, sonst wird der Rest der Tour eher langweilig werden. Aber wer genau schaut, wird allerlei Vielfalt im "Grau" entdecken. Sämtliche Farbtöne schimmern uns im gleisenden Sonnenlicht entgegen, man findet tolle Formen und Strukturen und jeder Schritt will aufmerksam gesetzt werden. Ab der Lötschepasshütte legt sich die Neigung zurück, einige blau-weisse Markierungen und Steinmänner, sowie Wegspuren, zeigen die richtige Fährte. 

 

Durchschnaufen ist angesagt, sofern man akklimatisiert ist, ansonsten heisst es weiter schnaufen und hecheln, wir haben die 3000m Marke bereits geknackt, die Luft wird zunehmend dünner. Ein langer Rücken, zugepflastert mit losem Gestein, Felsplatten und kleineren Aufschwüngen führt zum grande Finale. Am Gipfelaufbau geht es steil zur Sache, auch wenn nie geklettert werden muss. Grosses Blockwerk, durch das eine gute Spur führt. Als Belohnung wartet oben ein Gipfelkreuz mit phänomenaler Aussicht. Das vom Lötschepass so unscheinbare Hockenhorn bietet eine 360Grad Aussicht, wie es oft nur die höheren Berge zulassen.

 

Auch wenn unsere Tour nicht von A nach B führte, der Abstieg ins Lötschental hätte uns durchaus gereizt, so erscheint der Rückweg trotzdem in neuem Licht. Das Panorama und die Farben in der Nachmittagssonne sind ganz anders, ich bin entzückt, wie abwechslungsreich die Tour sich gestaltet. Zunächst ein flowiger Downhill zurück zur Lötschepasshütte, wo kurz unterhalb der Lötschbergsee zur Erfrischung einläd, dann der vielfältige Abschnitt bis zum Blockgletscher, der hoch technisch grosse Anforderungen an die Konzentration und Koordination stellt. Und zuguter letzt lieblicheres Gelände und das Tosen der Wasserfälle, deren Gicht bis auf den Wanderweg transportiert wird. Eine Einkehr unten im Gasthaus Steinbock darf natürlich nicht fehlen, das Gastereplättli aktiviert die Lebensgeister und lässt von neuen Touren im Gasteretal träumen.

 

Hockenhorn (3293m)

blau-weiss von der Lötschepasshütte, rot-weiss von Selden im Gasteretal bis zur Lötschepasshütte

1850Hm, 19km

2:40h (inkl. Pausen) Selden - Hockenhorn

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