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Dom als Singlepush vom Tal aus

Veränderungen sind die Quintessenz des Lebens. Ohne Veränderung gleich Stillstand. So staunte ich nicht schlecht, als ich beim Durchstöbern meines Tourenbuches auf den Eintrag aus dem Jahr 2004 stiess: genau vor 15 Jahren, nahezu am gleichen Datum, versuchte ich mich, damals vergeblich, am Dom mit meinen beiden Bergpartnern und Schulfreunden Eric und Marc. Damals waren wir mit Kocher und massig Gepäck den mühsam steilen Hüttenzustieg hoch, als Schüler konnten wir uns einen längeren Komfortaufenthalt in der Schweiz nicht leisten. Also mussten wir uns mit einer einfachen Nächtigung ohne Halbpension begnügen, oft auch mit Zelt, dafür darf ich nun im Nachhinein mit etwas Stolz darauf zurückblicken, schon damals Berge im "by fair means - Stil" angegangen zu haben. Aus eigener Kraft von unten bis oben und wieder zurück.

 

Heute sieht die Welt für mich etwas anders aus, nicht nur die Gletscher haben sich verändert, auch mein Zugang und Verständnis vom Bergsteigen hat sich verändert. Was ich damals unter Bergsteigen verstand, entwickelte sich für mich weiter zum Skyrunning und Speedbergsteigen. Die Normalwege auf die 3000er und 4000er erstrahlen unter dem Gesichtspunkt des "light'n'fast" in neuem Glanz. Die Konstante bleibt der Gedanke, Berge vom Tal aus anzugehen, möglichst ohne grosse Unterstützung seitens der Hütteninfrastruktur und ohne Seilbahnunterstützung. Die Variable nimmt die Ausrüstung und die Zeit ein. Hohe Berge werden nun als Tagestour mit leichter, abgespeckter Ausrüstung möglich. Die über 3200Hm vom Dom werden innerhalb weniger Stunden niedergemetzelt, ich kann auf kürzere Zeitfenster zurückgreifen und darf somit öfters von guten Bedingungen profitieren. Anstrengend bleibt das ganze Unterfangen, früher wie heute eine Tortur ;-)

 

Es gibt viele verschiedene Stile, alle haben ihre Berechtigung. Es gibt nicht ein besser oder schlechter. Im Endeffekt ist es eine Frage des Könnens, der Erfahrung, der Risikobereitschaft und vieler weiterer Faktoren. Ich für mich begrüsse die Entwicklung, dass immer mehr Ausrüstung für Singlepush-Aktionen käuflich zu erwerben ist. Im Endeffekt muss jeder für sich selbst entscheiden, was für ihn akzeptabel, was zu riskant erscheint. Wenn ich sehe, wie eine Bergsteigerin am Festijoch mit ihren Steigeisen hilflos im Fels entlangkratzte und nach Halt suchte, müsste ich sagen, dass die Tourenwahl nicht ganz optimal zu ihrem Können und Erfahrungsschatz getroffen wurde. Andere Bergsteiger werden vermutlich sagen, dass wir mit unseren Grödeln am letzten steilen Gipfelhang Fehl am Platz waren oder durch den Verzicht auf einen Helm am Festijoch uns höherem Risiko ausgesetzt haben. Leben und Leben lassen. Es gibt kein richtig oder falsch, man muss nur vor sich selbst und vor seinem Seilpartner sein Tun und Handeln begründen und rechtfertigen können, sowie niemand anderen durch seine Aktionen gefährden. Diese Freiheit am Berg sollten wir uns bewahren!

 

 

Facts:

Randa Kirche - Domhütte - Normalweg Dom und retour , WS- II

3250Hm/21,5km

Start: 6:55Uhr

Randa - Hütte: 1:47h (inkl. Pausen)

Randa - Dom: 5:17h (inkl. Pausen)

 

Ausrüstung: Columbia Montrail Mountain Masochist IV, Grivel Ran Grödel, 30m 6.9 Edelrid Fly Catcher, Camp Alp Racing Gurt, Idol Carbonpickel

und natürlich wie immer Erste Hilfe, Biwaksack, Primaloft, wind- und wasserfeste Jacke, dickere Handschuhe, langärmeliges Shirt, Fleece-Stirnband

1,5l Getränk, Riegel, Gels,...

 

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Patricia Neuhauser

 

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