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Klettern in Leonidio

Wehement schüttelt die ältere Griechin den Kopf, dazu stark gestikulierend und auf Griechisch etwas faselnd. Sie will uns mit Nachdruck sagen, dass wir an diesem Abend miteingeladen sind. Dabei galt die Einladung unseren Freunden aus Innsbruck, die im Restaurant "Mouria" fast täglich am Abend gespeist hatten und nun, aufgrund der Gastfreundschaft und Kinderliebe der Restaurantbesitzer, versammelt um den rechteckigen Tisch beladen mit typisch griechischen Speisen uns willkommen heissen. Dass man irgendwo eingeladen oder gar beschenkt wird mit Früchten, Gemüse oder Honig aus der eigenen Produktion ist in Leonidio keine Seltenheit, die einheimische Bevölkerung liebt ihre kletternden Gäste, ein Geschenk gehört einfach dazu als kleine Willkommensgeste. 

 

Ja, in Leonidio hat sich in den letzten 5 Jahren enorm viel getan, das kletternde Volk bringt Einnahmen, verlängert die touristische Saison auf 9 Monate. Das spürt man, es gibt mehr Cafés und Geschäfte in Leonidio, mehr Angebot an Unterkünften und auch Restaurants. Sogar die ein oder andere Kletterware kann mittlerweile vor Ort gekauft werden, die Panjika Cooperation betreibt nun neben dem alternativ angehauchten Kletterercafe auch einen Kletterladen. Dort bekommst du Infos zu neuen Routen und wenn du etwas erschliessen möchtest.

 

Die wachsende Schar an Kletterern bekommt man in den Hauptgebieten zu spüren, der Sektor Mars ist rund um die Uhr belegt, die Sinterlinien beginnen einen Hauch von Speck anzulegen, die immer sehr gut angelegten und meist beschilderten Zustiegswege sind mittlerweile mehr als nur ein Trampelpfad. Wir hören Sprachen aus vielen Ländern, es wird gelacht, es wird angefeuert, es werden die Routen getauscht. Eine durchwegs positive Grundatmosphäre, auch wenn es manchmal heiss hergeht in so manchem Gebiet. Dabei verwundert es bei der Fülle an Sektoren, dass man nicht alleine am Felsen steht. Der im Herbst 2018 neu erschienene Kletterführer beinhaltet doch immerhin 70 Gebiete (inkl. Kyparissi)!

 

Wir wollen diesmal uns bisher noch unbekannte Gebiete erkunden, die Wahl viel auf solche, die ein gutes Routenangebot zwischen 6b und 7a aufweisen, schattige wie auch sonnige. Denn je nachdem kann es Ende November an einem bedeckten Tag mit etwas Wind leicht frisch werden oder an einem wolkenlosen Sonnentag dir Sonnenbrand auf den Waden aufziehen. Oftmals ist auch mit etwas Regen zu rechnen, doch es gibt genügend regengeschützte Sektoren bzw. gehen die Niederschläge oftmals in der Nacht nieder.

 

Unsere Wahl fiel auf folgende Sektoren:

 

Bella Vista

sonnig und frei gelegen, scharfer Fels, bisher noch eher wenig beklettert, eher kürzere Routen

Empfehlung: Capprisi und Odin

 

Mars

ein optischer Augenschmaus, leider immer hoffnungslos überlaufen, trotzdem ein Muss!

kürzere und sehr lange Routen, Sinter und Lochkletterei

 

Jupiter-Petzina Wall

wow, was eine Wand! senkrechte, leicht überhängende Ausdauerkletterei, Monsterlängen!

immer schattig

 

Theos Cave

regensicher, athletische Kletterei, schöne Aussicht

Empfehlung: Zeus

 

King of Thrones

kleines Gebiet, kann mit Dornröschen kombiniert werden

Empfehlung: Tsoutsouni

 

Sabaton

kurz und knackig sind die Routen, null Zustieg und schattig mit Meerblick

boulderlastige Routen, eine schöne Alternative zu den langen Ausdauerpumpern

 

Kapsala

unweit Forano Beach (60min von Leonidio entfernt) an der neuen Küstenstrasse nach Kyparissi

athletische Kletterei mit Meerblick

 

Siehe auch meine Blogbeiträge von 2017 und 2014

 

Sektor: Bella Vista

 

Sektor Mars und Theos Cave

 

Sektor: King of Thrones

 

Sektor: Kapsala

 

Sektor: Sabaton

 

Sektor: Jupiter - Petzina Wall

 

 

Unterkunft: Αρχοντικό Χιώτη (Hotel Archontiko Chioti)

mitten im Zentrum von Leonidio und doch ein Stück weit nach hinten versetzt von der Hauptstrasse bietet dieses kleine Hotel Zimmer mit Frühstück für gehobenere Ansprüche. Das Personal ist extrem freundlich, hilfsbereit und stets bemüht. Das Frühstücksbuffet wechselt jeden Morgen (ab 8Uhr) und bietet für jeden Geschmack etwas, dazu ist das meiste hausgemacht und von guter Qualität. Lediglich an Helligkeit mangelt es in den liebevoll gestalteten Räumen, dafür liesse sich bei warmen Temperaturen auch draussen frühstücken oder am Ruhetag am Pool relaxen. Gegen Aufpreis gibt es Dampfbad und Jacuzzi.

Am besten per Mail reservieren und erwähnen, dass man zum Klettern nach Leonidio kommt, dann erhält man einen Sonderpreis. Weiters: Parkplatz vorhanden, die Klimaanlage in den Zimmern heizt in der kühleren Jahreszeit, gratis Pflegeprodukte von Korres.

 

Alternative Unterkunft:

Schöne Häuschen in einem Gartenareal bietet die Ferienanlage Agroktima zwischen Leonidio und Plaka. Auch hier sind die Gastgeber äusserst bemüht, reichen jeden Morgen einen Frühstückskorb (meist erst so gegen 8:30Uhr) mit köstlichen Leckereien und man kann auf dem eigenen Balkon draussen frühstücken. Allerdings sind die Häuser nur schlecht beheizbar und in der kalten Jahreszeit daher nur mit Daunenjacke geniessbar. Parkplatz vorhanden, Auto unbedingt nötig.

 

 

Leonidio

Leonidio ist eine gut 3-stündige Autofahrt vom Athener Flughafen entfernt. Montags morgens ein quirliges Örtchen mit roten, geziegelten Dächern, dass rechts und links eines meist ausgetrockneten Flussbettes, etwas zurückversetzt vom Meer, dafür von wunderschön leuchtenden roten Wänden umgeben liegt. Wenn die Sonne vom stahlblauen Himmel scheint, blenden die hellen Felswände fast. Sie wetteifern mit dem strahlenden Gemüse auf den Marktständen, frisch aus der Region. Sogar Fisch gibt es und natürlich den genialen Honig, der nicht nur mit Joghurt serviert als Nachspeise oder Frühstück verspeist wird, sondern auch viele Süssspeisen veredelt und kleine Apfelspalten mit Zimt garniert. 

 

Wer süsse Sachen mag, wird in Leonidio die hellste Freude haben. Die Bäckereien bieten leckere Köstlichkeiten, am besten einmal durchprobieren. Empfehlenswert ist die Bäckerei gleich am Ortseingang links (von Athen kommend), dort gibts auch feinen Cappuccino. Natürlich mussten wir auch dort ein paar süsse "Geschenke" kosten, die Gastfreundschaft und Herzlichkeit macht auch vor den Bäckereien nicht Halt.

 

Bleiben wir beim Thema Kulinarik. Traut euch über die Klassiker Souvlaki und Moussaka hinaus, die griechische Küche hat weit mehr zu bieten. Und bringt genügend Hunger mit, die Teller sind randvoll gefüllt, die Vorspeisen eher zum teilen gedacht. Gerade wenn man die Schweizer Portionsgrössen gewohnt ist (mächtig teuer und reichlich wenig;-)), wird sich der Gourmet nach dem Abendessen an einen gedehnten Magen gewöhnen müssen. Typische Hausmannskost zu niedrigem Preis gibts im Restaurant Mouria und Mitropoli, geringfügig teurer aber auch etwas gehobenere Küche gibts im Fischrestaurant am Meer in Poulitra (Myrtoon), im Pritanion dürft ihr euch den Salat Pritanion nicht entgehen lassen (Honigdressing!!!), dazu gabs bei uns köstliche Brotaufstriche als Gruss des Hauses vorneweg. Immer gut besucht ist auch die Pizzeria im Zentrum (en Leonidio), die Pizza ist aber griechisch, nicht italienisch.

 

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Patricia Neuhauser

 

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