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Chlys Hüri

Meistens kommt es ja anders als man denkt. Ich sitze im Bus nach Lauenen, mit mir ein weiterer Skitourengeher, ansonsten ist der Bus leer. Kein Wunder, in Gstaad ist es Grün und in Lauenen liegen genau genommen 2cm Schnee, der über Nacht gefallen ist. Was also tun? Die Heimreise unvollendeter Dinge antreten? Oder es doch einfach versuchen? Ich entscheide mich für Option 2 und folge der, mir aus diesem Winter bereits gut bekannten, Strasse Richtung Lauenensee. Überrascht über die schnell zunehmende Neuschneemenge, entschliesse ich mich spontan Richtung Chlys Hüri zu spuren. Das könnte noch vielversprechend werden. 

 

Wie wunderbar 10cm Neuschnee bereits sein können, wenn man auf Entzug ist! Dieser Winter meint es nicht gut mit uns, spannt uns auf die Folter. Und doch haben sich schon gute Skitouren ergeben. Qualität statt Quantität. So auch heute. Die Sonne blinzelt hinter den hohen Bergen rund um den schattigen Kessel von Lauenen hervor und lässt die frisch verschneiten Äste glitzern. Ich komme nicht umhin, mehrere Fotos zu machen. Zu schön der mir lang verwehrt gebliebene Anblick frischer Schneekristalle, die mit meinen Augen um die Wette funkeln. Denn als ich die Jaas-Chäle zu Gesicht bekomme, stehen die Powder-Zeichen bereits in meinen Augen. Unverspurt. Menschenseelenallein. Ich bin ein wenig angespannt, kenne den oberen steilen Teil der Tour nicht, bei unserer letzten Erkunundungstour kehrten wir beim markanten Felsen vor dem Gipfelcouloir um.

 

Der Schatten in der Jass-Chälen in Kombination mit den erdrückend hohen Wänden ist einem entspannten Ambiente nicht gerade förderlich. Doch genau in diesem Moment fühle ich mich wach, bin mit allen Sinnen bei der Sache. Das ist das spannende am Alleinsein, dass die Intuition geschärft und der Blick auf die wesentlichen Details gerichtet ist. Keine Ablenkung, kein Gruppendruck. Nur ich und meine Entscheidungen, für die ich ganz alleine verantwortlich bin. Das brauche ich nicht all zu häufig. Aber heute passt es, ich fühle mich bereit dazu, den Weg durch das Gipfelcouloir zu spuren. Morgen wird es wieder schneien und meine Spuren verwischen, heute wird mir niemand mehr folgen. Eine einzelne Aufstiegs- und Abfahrtsspur im abweisenden Ambiente der Jaas-Chäle...

 

 

 

 

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Patricia Neuhauser

 

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