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Skyrun Äbihorn und Hohwänghorn

Dass sich das Gebiet rund um die Schönbielhütte mit einigen leichteren 3000ern für den "fast&light"-Stil eignen sollte, durften wir bereits zwei Jahre zuvor feststellen, als wir auf das Schönbielhorn rannten. Besonders zu Anfang der Saison, wenn die Gletscher noch gut eingeschneit, der Schnee aber schon umgewandelt und tragfähig, sowie die Felsgrate bereits aper sind. Für den Pfingstmontag, nach einer klaren Nacht, war somit die Idee schnell geboren, die Skyrunningsaison genau in diesem Gebiet zu beginnen. 

 

Nach flowigen Trails mit stetem Matterhornblick müssen eigentlich erst ab dem Abzweiger zur steilen Moräne Richtung Arbenbiwak die Stöcke ausgepackt werden. Wählt man von Zermatt Kirche den oberen Trail nach Zmutt, staunt man nicht schlecht über den sagenhaft schönen Singletrail, der bereits früh von der Sonne verwöhnt wird. Und erst dieser flache Wanderweg von Zmutt über Bodmen und Chalbermatten bis zur Moräne des Zmuttgletschers! Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus, zur Linken das schneebedeckte Matterhorn, in der Ferne die Moränenlandschaft und dazwischen viel blühendes Grün und sonnengebräunte Stadln.

 

Über die Arbengandegge gewinnen wir stetig an Höhe, der Blick klebt am Obergabelhorn und seiner Südwand. Auf ca. 3000m erreichen wir die ersten Schneefelder, montieren unsere Micro Spikes und profitieren von den noch harten Verhältnissen auf dem Arbengletscher. Die Spaltenzonen sind gut auszumachen, das Seil bleibt im Rucksack, auch wenn der Ultraleichtgurt an unsere Hüften wandert. Das 3472 m hohe Äbihorn ist unschwierig über den Nordgrat zu besteigen, eine Schneeflanke leitet hinauf. Auch wenn das Äbihorn vermutlich kaum auf irgendeiner To-Do-Liste aufscheinen mag, die Aussicht ist phänomenal und die Route wirklich lohnend. Auch als Einsteiger-Skyrun bestens geeignet!

 

Wir studieren unsere Optionen: Hohwänghorn, Arbenhorn, Pointe de Zinal....es gibt einiges dort oben abzuklappern. Schliesslich beschliessen wir P. 3568 direkt zu erklettern un über den Südgrat weiter bis zum Hohwänghorn aufzusteigen. Die Felsen unterhalb Punkt 3568  wirken brüchig und steil, doch in der Tat entpuppt sich bei guter Routenwahl der Anstieg als nette Kraxelei. Je näher man sich der Gratschneide entlang bewegt, desto besser die Felsqualität. Eine Firnflanke und leichtes Blockgelände führt schliesslich bis zum Gipfel. Wir liebäugeln mit der Überschreitung bis zum Arbenhorn, doch der hintere dunkle Turm lässt nichts Gutes vermuten. Bei genauerer Begutachtung entpuppt sich der Abstieg als Abseilaktion, wir verzichten, zu zeitaufwändig und beschliessen nördlich des Gipfels im Col nach Westen auf den Hohwänggletscher abzusteigen.

 

Grenzwertig steil für unsere Micro-Spikes tasten wir uns Schritt für Schritt nach unten, um es nach dem Bergschrund dann endlich laufen zu lassen. Das sind dann immer die besten Momente, wenn man über den Gletscher im Trittschnee mit grossen Schritten mühelos nach unten schwebt. Den Gletscherbruch westlich umgehend erreichen wir wenig später das Gletscherplateau, von dem aus zwei Optionen des Weiterwegs bestehen. Nein, eigentlich 3, wobei Option 3 von vornherein ausscheidet. Im Sommer führt ein Weglein abschüssig und exponiert in der Ost-Flanke zu P. 3210 nördlich vom Oberen Blausatz, wo ein Weg zur Schönbielhütte hinab leitet. Diese Traverse kommt für uns mit unserer Ausrüstung aber nicht in Frage. 

 

Somit bleibt nur die Scharte bei P 3358 nördlich des Schönbielhorns und uns unbekanntes Gelände im Abstieg westseits zum Schönbielgletscher hinab oder der Gegenanstieg zum Col beim Äbihorn und auf unserer Aufstiegsroute über den Arbengletscher hinunter. Nachdem die Quellwolken an Mächtigkeit zugelegt hatten und unsere Kräfte bereits am schwinden waren, fiel die Entscheidung einstimmig auf das Col beim Äbihorn. Dass die ostseitige Ausrichtung des Arbengletschers zu fortgeschrittener Stunde nicht unbedingt optimale Verhältnisse hervorbringt, mussten wir einfach hinnehmen. Etwas mühsam versanken wir bei jedem Laufschritt im tiefen Schnee. Bauch einziehen und leicht machen, war die Devise.

 

Zu erwähnen sei noch die lässige Rutschpartie östlich der Arbengandegge, die letzten Schneereste halten sich dort hartnäckig und erleichtern den Abstieg mit einer unterhaltsamen Schlittelpartie.

 

ca. 30km /2400Hm

mit Hari, Niklas und Abdi

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Patricia Neuhauser

 

Sportwissenschaftlerin, MSc

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