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Gross Diamantstock Ostgrat

Schon seit Jahren geistert diese Tour in meinem Kopf herum. Der Haken: langer Zu- und Abstieg, so wie bei hochalpinen Gratklettereien halt üblich. Will heissen, entweder als Monstertour in einem Push vom Räterichsbodensee und leichter Ausrüstung oder mit Hüttenübernachtung und viel Gepäck. Beide Varianten schreckten mich eher ab. Jetzt liess ich mich allerdings von Henriette für die abgeänderte Variante zwei überreden. Doppelt mühsam, mit Zelt, Kocher Schlafsack und Co....die Sau, aka Rucksack, hatte gut lachen. Das Sherpa-Training begann somit am späten Nachmittag, nachdem wir uns am Vormittag auf den aalglatten Platten über dem Räterichsbodensee vergnügt hatten. Wann zum Teufel hatte ich das letzte Mal so viel Gewicht auf dem Buckel?!? Eine Ewigkeit her...

 

Doch der schöne Anstieg ins Bächlital entschädigt und spätestens beim Zeltplatz am kleinen See bei der Bächlitalhütte geht mir das Herz auf. Idyllisch, umgeben von Granitwänden und Zacken, vom Rauschen des Wassers wird man in den Schlaf gewogen. Herrlich. (Zu erwähnen sei, dass das ganze Gebiet Naturschutzgebiet ist und das Zelten eigentlich verboten ist. Wer es trotzdem macht: bitte nehmt ALLLEN Müll mit (auch euer Klopapier!)). Wir lassen uns am Morgen vom ersten Tageslicht wecken und um Viertel nach 6 sind wir unterwegs Richtung grossem Diamantstock, der bereits von der Bächlihütte aus goldgelb gefärbt uns entgegen lacht.

 

Mühsam gestaltet sich der Zustieg, besonders am rechten Rand im Schutt auf Höhe der Gletscherzunge und weiter Richtung Undri Bächlilücke. Steinmänner weisen den Weg, aber sie weisen auch nur. Gehen, stolpern, wackeln,...muss man selbst.

 

Mit unserem etwas späteren Start, als die Leute von der Hütte, haben wir eine gute Wahl getroffen: freie Fahrt! Henriette schwingt sich in der ersten Aufschwung, der keck in den stahlblauen Himmel ragt. Ein herber Auftakt am Morgen, man muss schon zupacken. Aber gut gesichert und so geht es Schlag auf Schlag. Wir wechseln zwischen Standplatzsichern und synchronem Klettern, sowie Seiltransport. Der grösste Teil des Grats ist wenig anhaltend und gleicht eher einem Blockgrat, markante Aufschwünge würzen und bringen Abwechslung hinein. Der Fels ist durchwegs fest und von bester Qualität. Die schwierigeren Kletterstellen sind mit soliden Bolts versehen, einige Schlaghaken können zusätzlich geklippt werden. Und ansonsten frisst der Fels natürlich auch Camalots und Keile, was je nach Kletterniveau aber nicht unbedingt nötig ist. Zacken zur Absicherung tun ihr Bestes.

 

Um 11:15Uhr erreichen wir schliesslich schweissgebadet den Gipfel, kein Lüftchen weht. T-Shirt Wetter. Und endlich Zeit zum Staunen und Geniessen der umgebenden Bergwelt, während dem Klettern kommt man ja meistens doch nicht so dazu. Dass sich der Abstieg noch ziehen wird und volle Konzentration erfordern wird, wie so oft üblich bei den hochalpinen Touren, stört in diesem Moment wenig. Zwei weitere Seilschaften, zu denen wir bis zum Gipfel aufgeschlossen hatten, befinden sich nun im Abstieg. Wir dürfen also den Gipfelmoment für uns alleine geniessen.

 

Zunächst geht es am Südgrat hinab, dann zeigen Steinmänner in der Westflanke den Weg, eine Mischung aus Bändern und leichten Kletterstellen, bis man nochmals zum Grat hinauf klettert, wo auf der gegenüberliegenden Sonnenseite der Abstiegsweg bis zu den letzten beiden Abseilstellen hinab führt. Im Prinzip alles kein schwieriges Gelände, ein Stolperer würde trotzdem fatal enden. Und auf Steinschlag gilt es auch zu achten. Immerhin erleichtert uns noch ein grosses Schneefeld den Abstieg nach der Abseilstelle und wir erreichen zügig den Gletscherrest. Steigeisen, Pickel etc... durften trockenen Fusses im Rucksack bleiben. Auch gut.

 

Dass der selbstgebackene Aprikosenkuchen mit Kaffee und Blick auf den Ostgrat auf der Hüttenterrasse im Anschluss doppelt gut schmeckt, liegt wohl auch daran, dass wir die Bucklerei noch etwas hinauszögern wollen. Die schwere Sau am Rücken kann sich ruhig noch etwas gedulden, wir haben noch unsere wunderbare Klettertour zu feiern....

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