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Weissmies Nordgrat

Kommt man am Lagginjoch an, muss man sich entscheiden. Zur Linken wartet mit dem Lagginhorn Südgrat ein fantastischer Scramblingsanstieg über grossteils blockiges und festes Gestein. Zur Rechten türmt sich der Nordgrat des Weissmies auf, der zum Schluss hin in einen Firngrat auf den Gipfel führt. Beides tolle Touren, beides Touren der Kategorie Genussbergsteigen, wenn die Verhältnisse schön trocken sind.

 

Unsere Strategie für heute: entspanntes Bergsteigen mit leichter Ausrüstung. Wir lassen uns also mit den Hohsaas Bergbahnen zu Berge befördern. Just an der Bergstation spricht uns ein Sologeher an, ob wir ihn denn in unsere Seilschaft an ein paar neuralgischen Stellen am Weissmies Nordgrat integrieren würden. Hmmm, ich war doch auf einen entspannten Tag eingestellt, ob das gutgehen wird? Sich am Seil mit unbekannten Leuten bewegen, das mag ich eher weniger. Ob das Tempo passt? Er zu schnell für uns bzw. wir zu schnell für ihn? Man weiss es ja nicht.

 

Doch die anfänglichen Zweifel lösten sich schon gleich in Luft auf. Mit Markus landeten wir einen Volltreffer. Ein selbstständiger Bergsteiger, der gut in unser eingespieltes Team passte. So kletterten wir flüssig als Zweier- bzw. Dreierseilschaft über den Grat, der sich charakterlich ganz vom Südgrat aufs Lagginhorn unterscheidet. Viel exponierter und plattiger, dazwischen wieder Gehgelände. Bis auf den längeren 4a Aufschwung kletterten wir konstant am laufenden Seil, selbst als Dreierseilschaft funktionierte dies ausgesprochen gut. Das nenn ich Genussbergsteigen, sonnengewärmter Fels, ausgeräumt von den vielen Begehungen. Durchwegs bewegt man sich entlang von Spuren und abgegriffenem Felsen, die Route ist nicht zu verfehlen. Der kurze Zu- und Abstieg mittels Hohsaas-Seilbahn, eine sehr gut ausgetretene Autobahn vom Gipfel über den Gletscher hinab. Und dann wartet auf der Sonnenterrasse auch noch das Tourenabschlussbier bzw. eine kühle Cola, um den morgendlichen Ritt Revue passieren zu lassen. 

 

Hab ich schon erwähnt, dass die Tages-Tour mit ÖV ab Bern bzw. Spiez zu meistern ist? Das gibt es wohl nur in der Schweiz. Umweltfreundlich in die Berge. Unkompliziert und mit grossem Genussfaktor!

 

 

Verhältnisse vom 23.08.2020

Zustieg von Hohsaas zum Lagginjoch erfordert Steigeisen, kompletter Felsgrat trocken, Firngrat nur mit geringer Schneeauflage bzw. eisig. Abstieg über Normalweg sehr gut gespurt, teilweise eisige Stellen, aber mit guter Steigeisentechnik problemlos zu meistern, eine Holzleiter entschärft einen Abbruch, Eisschlaggefahr hält sich momentan in Grenzen, Gletscher unten aper.

Routeninfo:

Route an den entscheidenden Stellen mit Bohrhaken bzw. Fixfriends gesichert. Der 4a-Aufschwung fühlt sich leichter an als das exponierte "Ross". Es kann sehr gut über Zacken mit dem Seil gesichert werden, wenn am laufenden Seil gegangen wird. Für die kleineren Aufschwünge entlang von rissdurchzogenen Platten können 2-3 kleinere/mittlere Friends für weniger geübte Kletterer noch hilfreich sein. Meistens steckt aber ein Fixfriend, wo man ihn gerade brauch. Nur bei trockenen Verhältnissen zu empfehlen, bei Neuschnee deutlich zeitaufwendiger und schwieriger, da die Kletterpassagen eher plattiger Natur sind.

 

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Patricia Neuhauser

 

Sportwissenschaftlerin, MSc

Präsidentin Verein trail-maniacs

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