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Eisklettern in der Schlucht von Pontresina

Eisklettern Pontresina Schlucht

Langsam entwickelt sich Pontresina zu unserer "Ausflug in den sonnigen Süden" Alternative. Bereits das zweite Wochenende in Folge treibt es uns aufgrund heftigem Schneetreiben in der Zentralschweiz in das italienisch angehauchte Engadin, mit dem Ospizio Bernina als unserem Stützpunkt.

 

Bei leicht frostigen -15 Grad Celsius splittert das Eis, knirscht der Schnee unter unseren Füßen. Doch warm eingepackt in die Daune macht die Kältewelle unserem Gaudi beim Eisklettern in der Pontresina Schlucht keinen Abbruch. Wie immer nach dem Motto "wer klettert, trägt den Spott und das Gelächter des Sichernden" kämpfen wir uns durch röhrig glasiges Eis, überwinden zapfige Bäuche, besteigen fragile Säulen und zittern uns durch knifflige Dry-Passagen.

 

Die Pontresina-Schlucht gibt also auch beim zweiten Besuch ordentlich was her, toprope-gesichert lässt sich so mancher wilde Zapfen ausprobieren und die Grenze physischer Leistungsfähigkeit antesten. Coole Sache - im wahrsten Sinne des Wortes.

 


Diavolezza Skierkundung

Der Samstag verspricht nochmals ein paar Grade kälter zu werden, dafür aber sonniger. Wir einigen uns auf eine Diavolezza Skisafari. Das Panorama auf Piz Palü, Piz Bernina und Morteratsch ist umwerfend, die Abfahrt über den Gletscher hinunter nach Morteratsch skifahrerisch zweitklassig, dafür landschaftlich sehr beeindruckend. Auch wenn ich die Gegend vom Sommer her kenne, im Winter strahlt der Kessel mit scharfen Kanten, Eisabbrüchen, rießigen Spalten und mächtig viel Schnee ein Ambiente wie in den großen Bergen der Welt aus. Grandios.

 

So genießen wir dreimal die Abfahrt von der Diavolezza und tauchen ein in die bezaubernde Bergwelt unterhalb von Bernina und Co. Mit der rätischen Bahn gehts gemütlich zurück zur Gondel und endlich können Zehen, Finger und Nasenspitze auftauen.

 

Leider hat der Wind der letzten 14 Tage viel Arbeit geleistet und unangenehme Krusten und Windgangeln geformt, das Variantenfahren auf der Ostseite der Diavolezza trennte den halbwegs guten Skifahrer vom misserabel auf den Brettln stehenden. Die wechselnde Schneebeschaffenheit forderte höchste Konzentration und Umstellungsfähigkeit. Aber auch die Pisten dienten uns als seltene, doch willkommende Abwechslung, perfekt griffig präpariert und ohne Andrang die Geschwindigkeit und die Fliehkraft in den Kurven zu genießen.

 

 


Piz Lagalb

Meistens kommt es anders als man denkt. So auch diesmal. Die läppischen 25 Grad unter Null forderten Pascals Opel in der Nacht aufs Äußerste heraus, er kapitulierte. Hieß für uns: nix Bivio und Powder vom Feinsten, sondern Skitouren vom Ospizio aus. Doch es gibt Schlimmeres als bei strahlend blauem Himmel, Fernsicht bis nach Afrika und dem Traumpanorama auf der gegenüberliegenden Talseite den Tag zu überbrücken, bis der Pannendienst eintreffen soll.

 

Wir fellten an und stiegen Richtung Piz Lagalb empor, alte verblasene Spuren und 2 frische Spuren vom gestrigen Tag wiesen den Weg. Am Anfang in gemäßigtem Gelände steilte sich der Piz Lagalb auf seiner Südseite zu einem felsdurchsetzten Klotz auf. Mit Abständen bewegten wir uns über Harschkrusten fortwärts, eine kleine Steilstufe die Ski tragend überwindend, bis wir schlussendlich an einem windgeschützten Platz auf 2800m unser Tagesziel auserkoren. Auch wenn die Sonne wärmte, doch an eine lange Rast bei Temperaturen unter 20 Grad ist nicht zu denken.

 

Pascal hatte bereits beim Aufstieg eine lässige Abfahrtsvariante entdeckt, welche uns ohne Umwege auf die Scharte zurückführen würde. Gesagt, getan. Der Mann mit Airbag darf den Hang als Erster antesten:-). Zuerst etwas antestend, aber dann mit Speed und wenigen Schwüngen prescht er den makellosen Hang zur Scharte hinunter. Wilder Hund.

 

Harry und ich rücken der nichts als weißen Fläche etwas zaghafter auf die Pelle, könnte doch die ein oder andere Bruchharschfalle auf uns warten und zuschlagen. Weiter unten wechseln pulvrige Passagen in den Mulden mit Windkrusten in den Übergängen, doch alles in allem eine wirklich nette Tour für einen Plan B!

 

Der Pannendienst lässt immer noch auf sich warten, schließlich um 17 Uhr nehmen wir das ganze selbst in die Hand und organisieren uns Überbrückungskabel. Auf die schweizer Gründlichkeit ist eben doch kein Verlass!

 

 

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Patricia Neuhauser

 

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