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Tessin Sportklettern

Wir haben unser neues Arco entdeckt: das Tessin.

 

Bis zum Gotthardtunnel auf der nördlichen Seite dichtester Nebel, in Airolo wolkenloses Blau. "Wahnsinn, wie beim Brenner" schiesst es mir durch den Kopf. Nach 2 Stunden Autofahrt erreichen wir Ponte Brolla, bekannt durch seine gut abgesicherten südseitig orientiereten Genuss-Routen auf dem Plattenpanzer oberhalb des Ortes. Auch heute wieder reges Treiben, aber wen wunderts? Hier finden Anfängerkurse perfektes Terrain, auch zum Einstieg ins Mehrseillängenklettern, da die Kursleiter auf Steigen zu den Ständen der jeweiligen Routen gelangen können. 

 

Wir steigen aus dem Auto, ein fast schon mediterranes Flair mit den Palmen empfängt uns. Vogelgezwitscher, frische Morgenluft und das sanfte Brennen der Sonnenstrahlen verleiht der Ankunft im Tessin bereits einen ganz besonderen Charme. Wir suchen den Ostsektor des Klettergartens Ponte Brolla auf, hier dominieren steile Wände das Bild, nix Plattengeschiebe, obwohl die Kletterei auch hier neben Fingerkraftausdauer, Blockieren und Anziehen auch viel Feingefühl fürs Verlagern des Körperschwerpunktes verlangt. Granit/Gneis ist eben anders als Kalk zu klettern.

 

Wunderschöne Rissverschneidungen, die auch gut zum Selbstabsichern zu klettern sind, steile henkelige Schuppen, viel Gegendruckarbeit, ungewohnt. Dann wechseln wir zu den Wandklettereien, positive Leisten und abschüssige Aufleger, Beinarbeit ist auch bei diesen Routen das Stichwort. Hochansteigen und über Schulter hinaufblockieren, am besten mehrmals hintereinander, am Abend habe ich die ungewohnte Kletterei teuflisch gespürt!

 

Am gegenüberliegenden Monte Garzo ist momentan "Canyoning" angesagt, die Platten im unteren Teil sind wasserüberronnen. Schade, wir hätten gerne am zweiten Tag die Mehrseillängensaison eröffnet (ebenso in Avegno). So konsultieren wir am Abend die Infos aus dem Netz und finden einige weitere Optionen. Sonnig gelegene Klettergärten mit viel Aussicht, tönt famos.

 

Doch zunächst ist Stärkung angesagt, wir finden im Kletterführer plaisir Süd aus dem Jahre 2003 einen Tipp für leckere Pizza. Und siehe da, auch nach 10 Jahren können wir den Tipp bestätigen. Schmackhafte Ruccolapizza gibts in der Pizzeria Bellaria beim Camping in Gordevio. Zum Dessert sind wir nach Locarno an den See flannieren mit einem Schleckeisl - mmmhhhh, fast wie in Arco: Pizza, Vino und Eis, fehlt nur die Shoppingmeile für Kletterer:-)

 

Nach geruhsamer Nacht in Locarno starten wir am nächsten Morgen ins hinterste Vallemaggia. Prato, ein vielgelobter Klettergarten im Tessin, wird in Augenschein genommen. Nach schweisstreibenden 200Hm durch steilen Kastanienwald erreichen wir den Felsriegel, doch leider entpuppt sich das Kletterziel als Fauxpas: immer noch im Schatten gelegen (es ist bereits 11:30Uhr) rinnt über den gesamten linken Wandteil Wasser. Die Platten mit den kleinen Käntchen sind für uns in diesem Zustand nicht kletterbar. Der mittlere imposante Felsteil erinnert an ein Yosemite Trainingsgebiet. Strukturlose, steile Felsplatten, dazwischen seichte Rissspuren. Wer hier durchstarten möchte, sollte sich im 8a-Bereich pudelwohl fühlen. Und dass bei winzigsten Griffchen und Trittchen! Wir treten den Rückweg an, schade.

 

Das nächste Gebiet soll uns nicht enttäuschen, immerhin zeigt die Uhr bereits 12:30Uhr und der Heimweg steht heute auch noch an. Brontallo, ein neueres Gebiet mit Routen in den mittleren Graden, steht nach kurzer Absprache auf dem Programm. Allein der kleine Ort Brontallo überrascht bei der Ankunft. Sonnig hoch über dem Tal gelegen versprüht die Häuseransammlung im typischen Tessiner Stil ihren ganz eigenen Charme. Wir sind begeistert und springen mit unserem Gepäck über zahlreiche Granitplattenstufen durch die engen Häuserzeilen. Sehr gepflegt präsentiert sich das Dörflein, welches durch den Verein Pro Brontallo und die Stiftung Fondatione monti e paesaggio seit Jahren lebendig gehalten wird, lokale Tradition und Kultur werden in Projekten zur Aufwertung der Landschaft und der regionalen Entwicklung iniziiert. Sogar die Bolts für den Klettergarten stammen vom Dorf.

 

Der Zustieg entpuppt sich als interessant, sind doch sehr steile, ruppige Passagen an Fixseilen zu überwinden, also definitiv kein Flipflop-Gelände! Oben angekommen, ein Juchzen und Jauchzen, genialer sonnengewärmter Fels. Wandkletterei vom Feinsten, der Gneis bildet sehr kletterfreundliche Strukturen, erinnert beim Klettern fast an Kalk, da Löcher und Zangen anzutreffen sind, genauso wie gneistypische Aufleger und runde Kanten und Leisten. Einfach nur genial, wirklich jede Route ist gewaltig! Und lang! Und dann die Aussicht auf die schneebedeckten Berge und wir stehen hier oben ohne und lassen die Sonne auf unsere weissen Körper scheinen. Sicher nicht das letzte Mal an diesem bezaubernden Ort klettern gewesen!

 

Tessin wir kommen wieder!

 

Noch ein kleiner Verpflegungstipp: Bei der Heimfahrt auf der Gotthardautobahn in Faido kurz ausfahren, dort gibts gleich rechterhand nach dem Ortseingang eine Pizzeria mit sehr guter Pizza und für Menschen, die sich an das Züricher Preisniveau gewöhnen mussten, auch zu günstigen Preisen (offener Rotwein 3dl um CHF 7, Pizza CHF17).

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